Das Optik-ABC

Gerade Jungjägern, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, schwirrt rund um das Thema Jagdoptik ein Wust an Fachbegriffen um die Ohren, und älteren Semestern geht es bei Neuentwicklungen in diesem Bereich kaum besser. Vor einigen Jahren hatte ich für die Jagdzeitschrift HALALI eine Artikelserie dazu verfasst, die sich über mehrere Ausgaben erstreckte. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion darf ich sie hier in überarbeiteter Form browserfähig präsentieren.


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Absehen: Auch als Fadenkreuz bekannt: Früher wurde das Absehen tatsächlich aus Spinnfäden oder Haaren gemacht, inzwischen wird es zumeist aus Metall gemacht oder auf Glas geätzt (eine Idee, die übrigens aus dem Jahr 1700 stammt). Kann in erster oder zweiter ⇾Bildebene des ⇾Zielfernrohrs eingebracht werden. Bekannt sind unterschiedliche herstellerabhängige Formen von Fadenkreuzen mit Balken, Zielstacheln, Punkt- und Ringabsehen. Jagdlich am häufigsten verwendet werden Fadenkreuz-Absehen, die teilweise auch zur ⇾Entfernungsschätzung genützt werden können (Absehen 1 und 4). Heute sind meist ⇾Leuchtabsehen gebräuchlich. Zudem werden zunehmend militärische Absehen eingesetzt, wie z.B. ⇾MilDot oder andere ⇾Ballistikabsehen, die nicht nur den Zielpunkt, sondern auch Anhaltspunkte für horizontale und vertikale ⇾Abweichung des Geschosses liefern. Wichtig beim Absehen ist, dass es auf größere Distanzen das Ziel nicht verdeckt. Daher sind Zielstachelabsehen (Absehen 1) weitgehend aus der Mode gekommen, wobei sie beim Schuss auf kurze und mittlere Distanz sowie in der Dämmerung durchaus von Vorteil sind. Vornehmlich werden aus Balken und Fadenkreuz kombinierte Absehen verwendet (Absehen 4, Absehen 8/Duplex). Bei Zielfernrohr oder ⇾Reflexvisier vorwiegend für den Schuss auf flüchtiges Schalenwild wird das aus einem Punkt bestehende Absehen 0 verwendet. Kombinationen wie z.B. Absehen 40 (Kombination aus Balken, Fadenkreuz und Punkt) sind je nach Hersteller möglich.

Absehenschnellverstellung (ASV): auch als ⇾Ballistikturm bezeichnet: Das System kam in den späten 1980ern auf und ermöglicht, das Absehen auf eine zuvor ausgemessene Entfernung einzustellen. Die Idee dazu ist nicht so neu wie die Marketingabteilungen der Zielfernrohrhersteller den Käufer glauben machen wollen. Sieht man sich ältere ZF aus der Zeit vor ca. 1950 an, sind diese nur in der Höhe verstellbar, die ⇾Seitenverstellung wurde damals noch über ⇾Support getätigt. Für die Höhenverstellung war oben auf dem ZF ein geriffeltes Rad mit einer Stellschraube angebracht. Diese Räder tragen nicht selten Entfernungsangaben und stellen somit eine Absehenschnellverstellung in der Höhe dar. Die heutigen ASV sind allerdings deutlich verfeinert. Grundsätzlich lassen sich zwei Herangehensweisen unterscheiden:
a) einfache ⇾Klickverstellung. Durch Berechnung wird die tatsächliche ballistische Kurve der Waffe/Laborierung-Kombination ermittelt. Damit ist bekannt, auf welche Referenzentfernungen (150,200,250 usw. Meter) das Geschoss wie weit abfällt. Durch die entsprechende Verstellung an der ASV wird der Geschossabfall ausgeglichen.
b) Verstellung nach Distanz: in die ASV werden – wiederum nach vorab ermittelter tatsächlicher ballistischer Kurve – systemabhängig ein oder mehrere eigens dafür gefertigter oder möglichst genau dazu passender Ringe (oder mehrere) mit Entfernungsmarkierungen eingebracht. Vor dem Schuss wird die Distanz per ⇾Entfernungsmesser ermittelt, die ASV wird dann auf die entsprechende Distanz eingestellt.
In beiden Fällen wird ⇾Fleck angehalten.
Zunehmend werden, passend zur ASV, Entfernungsmesser mit eingebautem ⇾Ballistikrechner angeboten, die wichtige Informationen zum ⇾Winkelschuss liefern. ASV-Türme sind auch für die seitliche Verstellung erhältlich.
Grundsätzlich gilt: Die ballistische Kurve der jeweils verwendeten Munition lässt sich nicht aus den auf der Patronenschachtel aufgedruckten Tabelle ablesen, auch die für Fabriklaborierungen angegebenen Werte in den online verfügbaren Ballistikprogrammen der jeweiligen Optikhersteller sind nicht generell zuverlässig, da sie meist für Messläufe mit 60cm Länge errechnet und nicht ermittelt sind. Man kommt nicht umhin, die Kurve selbst zu ermitteln. Dies kann auf zwei Weisen geschehen:
1. Geschwindigkeitsmessung: Vermittels eines geeigneten Geräts misst man die Geschossgeschwindigkeit möglichst nah vor der Mündung. Softwares wie z.B. Quickload können daraus eine präzise ballistische Kurve errechnen.
2. Geschossabfall-Messung: auf einem Schießstand, der Scheiben in 100, 150, 200, 250 und 300m stellen kann, schießt man bei auf 100m ⇾Fleckschuss justierten Waffe Gruppen und misst den Abstand deren Mittelpunktes zum Scheibenzentrum. Diese Werte vergleicht man mit den Tabellen des Optikherstellers und wählt dann die Kurve, die der eigenen Kombination aus Waffe und Munition am ehesten entspricht.

Abweichung: Auf ein Geschoss wirken mehrere Kräfte in sagittaler, horizontaler und vertikaler Ebene ein, die seine Flugbahn beeinflussen. In der jagdlichen Praxis sind die nach unten wirkende Erdanziehungskraft und seitlich einwirkende ⇾Winddrift zu berücksichtigen. Beide sind beim gezielten Schuss zu berücksichtigen. Durch die Erdanziehungskraft wird das Geschoss nach Verlassen der Mündung nach unten gezogen. Da das Geschoss in diesem Moment zunehmend langsamer wird, kann die Erdanziehungskraft zunehmend länger darauf einwirken. Daraus ergibt sich eine parabelförmige Flugbahn, die sog. Wurfparabel. Um die daraus resultierende Abweichung zum anvisierten Zielpunkt auszugleichen, ist die Zieleinrichtung so auf der Waffe montiert, dass sich die ⇾Visierlinie und die Flugbahn des Geschosses zweimal schneiden. Zudem kann das ⇾Absehen sowohl seitlich als auch in der Höhe verstellt werden. Die Verstellung ist technisch so realisiert: Ein Klick entspricht einem definierten Wert auf eine festgelegte Entfernung. Bei europäischen Fabrikaten entspricht ein Klick in der Regel einem Zentimeter auf 100 Meter Entfernung.  Bei überseeischen Fabrikaten wird die Verstellung meist in Winkelminuten oder ⇾Minute of Angle (MoA) auf 100m oder fallweise 100 yards (ca. 90m) vorgenommen.

Asphärische Linse: nicht plan oder kugelförmig geschliffene Linse. Wird zur Steigerung der ⇾Randschärfe verbaut. Der Krümmungsrad der Linse wird dabei im Randbereich so verändert, dass auch dort auftreffende Lichtstrahlen exakt auf den Brennpunkt geführt werden.

Augenabstand: Um einen präzisen Schuss über ein Zielfernrohr abzugeben, muss das Zielbild gestochen scharf in einem genauen Kreis ohne seitliche Schatten (siehe auch ⇾Parallaxe) stehen. Dazu ist es entscheidend, dass sich das Auge im Anschlag im richtigen Abstand vor dem ⇾Okular befindet. Der Augenabstand ist individuell verschieden und von der Sehleistung abhängig, deswegen sollte er bei der Montage eines Zielfernrohrs vorab ermittelt werden. Ein falscher Augenabstand kann zu Fehlschüssen sowie zu Verletzungen an Auge, Augenbraue und Nase führen. Auch bei ⇾Fernglas und ⇾Spektiv ist auf richtigen Augenabstand für optimale Abbildungsleistung zu achten, daher sind beide meist mit verstellbaren Augenmuscheln ausgestattet.

Austrittspupille: Da die Jagd meist auch in der Dämmerung stattfindet, ist auf eine ausreichende ⇾Dämmerungsleistung zu achten. Dafür ist die Austrittspupille der verwendeten Optik von Bedeutung: je größer, umso mehr Licht kann die Optik ins Auge leiten. Berechnet wird sie, indem man den Durchmesser des ⇾Objektivs durch die ⇾Vergrößerung teilt. Beispiel: Fernglas 8×56, 56/8=7, das Glas halt also eine Austrittspupille von 7mm. Das entspricht in der Regel der maximalen Irisöffnung oder Pupille eines gesunden Menschenauges.  Für maximale Dämmerungsleistung sind im Idealfall die Pupille des Auges und die Austrittspupille gleich groß. Da im Alter die Erweiterungsfähigkeit der Iris nachlässt, ist ggf. für ältere Jäger eine kleinere Austrittspupille beim Nachtglas sinnvoller. Wichtig: die Austrittspupille ist eine rein rechnerische Größe und sagt damit nichts über die Qualität einer Optik aus!


Ballistikabsehen: Absehen, das über zusätzliche Anhaltspunkte für vertikale und horizontale ⇾Abweichung verfügt. Dieses Absehen weist zusätzlich zum zentralen Fadenkreuz mehrere in definierten Abständen darunterliegende und sich zunehmend verbreiternde sekundäre Fadenkreuze auf. Da dies im Gesamtbild einer Fichte oder Tanne ähnelt, hat sich auch der Begriff „Christbaum“- oder „Tannenbaum“-Absehen dafür eingebürgert. Je nach ermittelter Distanz und nach geschätzter ⇾Winddrift wird nicht die zentrale, sondern eine der vorhandenen sekundären Zielmarken auf den Zielpunkt gebracht. Die ballistischen Absehen stammen aus dem Scharfschützenbereich, auch wenn es rein jagdlich adaptierte Versionen wie z.B. das „Boone & Crockett“-Absehen gibt. So verwirrend das Absehen auf das ungeübte Auge wirkt, so sinnvoll ist dieses Absehen, wenn der Schütze über das Verhalten seines Geschosses und über seine eigene Leistungsfähigkeit genau Bescheid weiß.

Ballistikrechner: dient dazu, die ballistische Kurve einer Waffe/Laborierungskombination zu ermitteln, sprich Geschossabfall, Winddrift und Energieverlust auf unterschiedliche Entfernungen zu berechnen. Entsprechende Programme sind teils käuflich für Wiederlader (zB. Quickload) erhältlich oder kostenfrei im Internet, dann in vereinfachter Form. Die Ergebnisse dienen dazu, die ⇾Absehenschnellverstellung des ⇾Zielfernrohrs entsprechend zu konfigurieren sowie ein ⇾Fernglas oder einen ⇾Entfernungsmesser, sofern diese über ein eingebautes Programm verfügen, mit den entsprechenden Daten zu füttern.

Ballistikturm: siehe ⇾Absehenschnellverstellung (ASV)

Bildebene: hier: Unterbringungsort des ⇾Absehens im Zielfernrohr mit variabler ⇾Vergrößerung.  Man unterscheidet zwischen Absehen in 1. (objektiver) oder 2. (okularer) Bildebene. Ist das Absehen in 1. Bildebene untergebracht, so werden bei Wechsel der Vergrößerung Absehen UND Zielbild verändert. Ist das Absehen in 2. Bildebene untergebracht, so wird bei Wechsel der Vergrößerung NUR das Zielbild verändert.
Vorteile:
1. Bildebene: Die Proportionen von Absehen zu Zielbild bleiben erhalten, somit sind Entfernungsschätzungen machbar, auch das Vorhaltemaß auf sich seitlich bewegende Ziele ist kalkulierbar. Das sich mitvergrößernde Absehen bleibt auch bei Schüssen bei schwachem Licht (Nachtansitz) rel. gut sichtbar.
2. Bildebene: Da sich das Absehen nicht mitvergrößert, wird beim Schuss auf kleine Ziele oder weite Distanzen weniger vom Ziel durch das Absehen verdeckt.
Nachteile:
1. Bildebene: Produktionsfehler im ZF (Staubeinschlüsse etc.) werden mitvergrößert und wirken sich negativ auf das Zielbild aus. Das Absehen verdeckt bei höherer Vergrößerung mehr vom Ziel.
2. Bildebene: Entfernungsschätzungen sind nur bei ⇾ballistischen oder ⇾MilDot-Absehen machbar. Da sich aber die Proportionen von Absehen zu Zielbild gemäß der Vergrößerung entsprechend ändern, sind diese Faktoren in die Entfernungsschätzung mit einzubeziehen. Zudem ändert sich beim Wechsel der Vergrößerung die nicht von der ⇾Parallaxe beeinflusste Beobachtungsstrecke im ZF, was zu Unschärfen zwischen Absehen und Zielbild und zu Zielfehlern führen kann.

Bildwandler: wird in ⇾Nachtsichtoptiken eingesetzt. Im Unterschied zum⇾Restlichtverstärker wird hier aber auch das sich außerhalb des für das menschliche Auge sichtbaren Spektrums befindliche Licht, also der ultraviolette und infrarote Bereich, verstärkt. Geräte mit Bildwandler auf Röhrenbasis können im Gebrauch bei Tageslicht beschädigt werden.


Dachkantprisma: eine  Prismenform, die in ⇾Ferngläsern verbaut wird. Ein Prisma wird verwendet, um entsprechende Brennweite und damit Vergrößerung zu erreichen: Vereinfacht gesagt wird zum einen der Strahlengang des Lichts damit verlängert. Zum anderen wird damit erreicht, dass das Bild im Wortsinn vom Kopf auf die Füßen gestellt wird.

Dazu bedarf es eines kleinen Ausflugs in die Theorie. Man unterscheidet bei ⇾Fernglas oder einfacher ⇾Fernrohr zwischen dem Kepler’schen und dem Galilei’schen Prinzip, auch wenn beide nicht von den genannten Herren entdeckt, sondern nur verwendet wurden. Grob erklärt: Das Galilei-Fernrohr erzeugt ein aufrechtes, das von Kepler ein auf dem Kopf stehendes Bild. Galiei’sche Fernrohre sind entweder ziemlich lang oder finden als Opernstecher ihre Verwendung. Kepler’sche Fernrohre erzeugen bei gleicher Länge ein stärker vergrößerndes Bild, das sich mit einem Prisma umdrehen lässt. Zusätzlich dient das Prisma dazu, die Baulänge des Geräts bei Beibehaltung der Brennweite zu verkürzen.
Für diese Prismen gibt es unterschiedliche Bauformen. Das hier behandelte Dachkantprisma (eine Innovation von Hensoldt, Wetzlar, patentiert 1905)  wird dadurch definiert, dass der Strahlengang die Form eines Hausdaches durchläuft. Beim ⇾Porroprisma handelt es sich nicht um eine noch zu definierende Porro-Form, es ist einfach nach dem italienischen Optiker Ignazio Porro (1801-1875) benannt.
Da beim Dachkantprismen-Glas das Licht insgesamt über fünf Flächen reflektiert wird, müssen diese mit höchstwertigen ⇾Vergütungen versehen sein. Das System liefert sehr helle und gestochen scharfe Bilder, zudem liegt das gesamte optische System aus  ⇾Objektiv, Prismensatz und ⇾Okular in einer Geraden. Das erlaubt eine schlanke und handliche Bauform. Obwohl Ferngläser mit Dachkantprismen teurer in der Herstellung sind als Porroprismen-Gläser, werden erstere wegen der besseren Handlichkeit bevorzugt.

Dämmerungsleistung: Der Mensch ist im Wesentlichen ein tagaktives Wesen, somit ist sein Auge entsprechend konstruiert. Mit zunehmender Dunkelheit lässt sein Sehvermögen nach: Das Farbsehen wird schwächer (mit Ausnahme des blauen Spektralbereichs, hier steigt die Empfindlichkeit), die Sehschärfe sinkt in der Nacht auf ca. ein Drittel der Tagesleistung. Um daher in der Dämmerung Wild sehen und ansprechen zu können, muss die „Jagdoptik“ entsprechend ausgleichen können. Um die Dämmerungsleistung eines Glases beurteilen zu können, sind zwei Kennzahlen hilfreich: ⇾Austrittspupille und ⇾Dämmerungszahl. Erstere ist der Quotient aus Objektivdurchmesser und Vergrößerung und sollte möglichst nah an der maximalen Irisdilatation (=Pupillenöffnung) des menschlichen Auges liegen. Letztere wird mit der Wurzel aus Vergrößerung x Objektivdurchmesser berechnet. Faktoren wie Glasqualität und Vergütung fließen weder in die Berechnung der einen noch der anderen Größe ein. Somit handelt es sich um rein rechnerische Werte. Fazit: Ein 8×56-Nachtglas billigster Bauart hat zwar die beeindruckende Dämmerungszahl von 21,2 und eine mehr als ausreichende Austrittspupille von 7mm, wird aber sehr wahrscheinlich einem erstklassig vergüteten Hochqualitäts-Tagesglas 10×42 in der Nacht unterlegen sein.
Tipp: da der blaue Spektralbereich in der Nacht heller wahrgenommen wird als bei Tag, kann das Bild durchs Fernglas, das bei Tag noch scharf war, in der Dämmerung vernebelt erscheinen. Wenn man den ⇾Mitteltrieb Richtung Minus betätigt, wird das Bild wieder klarer.

Dämmerungszahl: Um die Dämmerungsleistung eines Fernglases zu bestimmen, wurde bis in die 1940er Jahre die sog. „geometrische Fernrohr-Lichtstärke“ herangezogen, die mit dem Quadrat der ⇾Austrittspupille berechnet wurde. Inzwischen nimmt man die präzisere Dämmerungszahl nach DIN 58388. Sie wird berechnet, indem man ⇾Vergrößerung und ⇾Objektivdurchmesser multipliziert und daraus die Wurzel zieht. Das klassische 8×56-Nachtglas kommt somit auf einen Wert von 21,2. Nimmt man zum Vergleich ein 8×42-Pirschglas, ist der Wert 18,3. Übersetzt heißt das Folgendes: Gleiche Glasqualität und gleiche Dämmerunsgverhältnisse vorausgesetzt, lässt sich mit dem 8×56 ein Gegenstand auf 212m scharf erkennen, der mit dem 8×42 lediglich auf 183m scharf erkennbar wäre. Heruntergerechnet auf 100m ist das Nachtglas also um fast 16% stärker als das Pirschglas. Wie oben beschrieben, reicht die Dämmerungszahl aber nicht als einzelner Wert für die Nachttauglichkeit einer Jagdoptik aus. Beispiel: die Dämmerungszahl eines 30×85-Spektivs überragt mit 50,5 das Nachtglas mit seinen 21,2 um mehr als das Doppelte. Da aber das Spektiv lediglich eine Austrittspupille von 2,8mm hat, kommt im Auge des Jägers am nächtlichen Ansitz einfach zu wenig Licht und damit zu wenig Bild an.

Diopter: eine Form der ⇾offenen Visierung  bei Büchsen. Entsprechend dem aus dem Altgriechischen stammenden Namen, gebildet aus δια (dia) „hindurch“ und οπτειν (optein) „sehen“, ist der Diopter schlicht ein Loch zum Durchgucken. Der Schütze blickt durch eine Lochblende über das Korn auf das Ziel. Der Diopter findet hauptsächlich im Schießsport seine Verwendung, hat aber jagdlich durchaus auch seine Vorteile. Zum einen sorgt der Blick durch die Lochblende im Vergleich zum Schuss über Kimme und Korn für einen Schärfevorteil. Deswegen finden sich auf älteren Kipplaufwaffen, die rein für den Schuss ohne Zielfernrohr ausgelegt waren, oft ein aufklappbarer sog. „Springdiopter“ auf der Scheibe, der für weitere Distanzen und präzisere Schüsse genutzt wurde. John Rigby verbaute einen Diopter, der an der Schlagbolzenmutter des K98-Systems angebracht war und mittels eines Rändelrades hochgeschraubt werden konnte. Als „Ghostring“ findet der Diopter gern Verwendung auf Jagdwaffen für den schnellen Schuss. Hier ist der Diopter mit einer minimalen Wandstärke ausgeführt, die weniger vom Ziel verdeckt als jede andere offene zweiteilige Visierung. Zudem kann ein Ghostring-Visier beim Flintenschuss helfen, Probleme der (Augen-) ⇾Dominanz zu lösen.

Dioptrienverstellung: Der Mensch hat in den seltensten Fällen zwei Augen mit exakt gleicher Sehleistung. Deswegen verfügen sämtliche Jagdoptiken über eine Verstellung, um dieses Problem auszugleichen. Sie liegt bei monokularen Geräten ( Spektiv, ⇾Zielfernrohr) meistens am Okular, bei ⇾ Ferngläsern kann sie an einem der beiden, an beiden Okularen oder am vorderen ⇾Mitteltrieb angebracht sein. Bei Spektiv und ZF ist die Sache einfach: einfach so lange am Drehring schrauben, bis das Bild resp. das Fadenkreuz und das Bild scharf sind. Beim Fernglas geht man je nach Bauweise vor:

  • DV nur an einem Okular resp. am vorderen Mitteltrieb: DV-Auge schließen, anderes Auge über Mitteltrieb scharfstellen, dann das Auge auf der Seite der DV mit dieser nachjustieren.
  • DV an beiden Okularen: das ⇾dominante Auge (das Auge, mit dem man zielt) zuerst scharf stellen, dann das subdominante Auge nachjustieren.

Dominanz: Wir Menschen sind augengesteuerte Wesen. Allerdings steuern nur in seltenen Fällen beide Augen mit gleicher Kraft, meist ist eines stärker als das andere. Welches nun das dominante Auge ist, ist einfach herauszufinden. Man fixiert einen Gegenstand in einiger Entfernung mit beiden Augen. Dann richtet man seinen ausgestreckten Daumen darauf und schließt dann erst das eine, dann das andere Auge. In den meisten Fällen wird bei einem, nämlich dem dominanten Auge, der Daumen exakt auf dem Ziel liegen. Rechtes Auge: man schlägt auf der rechten Schulter die Langwaffe an. Oder eben links, bei linkem Auge. Häufig wird das dominante Auge auf der Seite der Hand liegen, die der jeweilige Mensch bevorzugt benutzt. Das trifft in ca. 70% der Fälle zu.
Es gibt allerdings abweichende Phänomene: Ein Rechtshänder kann links sein dominantes Auge haben und umgekehrt, man spricht dann von Kreuzdominanz. Außerdem kann es sein, dass keines der beiden Augen allein, sondern beide gleichmäßig dominant sind. Da bei jedem Schuss, egal ob mit der Flinte oder der Büchse, beide Augen offen sein sollten, um die Bewegung des Ziels im Raum dreidimensional erkennen zu können, finden sich Menschen mit Kreuz- oder gleichmäßiger Dominanz in einem Dilemma, speziell beim Schuss über offenes Visier. Denn wenn sie auf der „starken“ Schulter anschlagen, wird das gegenüberliegende „starke“ Auge die Führung übernehmen. Der Blick läuft dann nicht über die Visiereinrichtung, sondern an der Visierung vorbei direkt auf Korn und Ziel. Ein seitlicher Fehlschuss ist die unweigerliche Folge.

Nur in extremen Fällen kann eine Kreuzdominanz durch einen so stark gebogenen Schaft gelöst werden, dass der Schütze an der einen Schulter anschlägt, aber mit dem anderen Auge zielt. Man spricht dann politisch unkorrekt vom „Krüppelschaft“. Einfacher ist es, das dominante Auge zu schließen und an der „starken“ Körperseite anzuschlagen. Allerdings verliert man dabei das dreidimensionale Sehen, das beim Schuss auf bewegte Ziele unverzichtbar ist.
Besser ist daher der Griff zur Schießbrille – und zu einem Stück semitransparenten Klebebandes. Man bittet einen erfahrenen Schützen, im Idealfall einen erfahrenen Schießlehrer, um Hilfe: mit doppelt und dreifach überprüft entladener Waffe schlägt man auf der „starken“ Körperseite mit zwei geöffneten Augen auf den Helfer an. Dieser klebt ein ca. 1x1cm großes Stück semitransparenten Klebebandes exakt über der Pupillenöffnung des der Schaftschulter gegenüberliegenden Auges auf das Brillenglas (Anschlag rechts: linkes Auge und umgekehrt).  Damit wird der Blick des dominanten Auges so weit ausgeblendet, dass es nicht mehr die Führung übernehmen kann. Durch den seitlichen Lichteinfall in die so „ausgebremste“ Pupille findet aber immer noch ausreichend Wahrnehmung statt, dass das dreidimensionale Sehen des Ziels erhalten bleibt.

Dual-Use-Gerät: bezeichnet ⇾Nachtsichtoptiken, die sowohl zur reinen Beobachtung geführt werden als auch an ein optisches Gerät wie ein ⇾Zielfernrohr zum Zweck der gezielten Schussabgabe bei Dunkelheit montiert werden können. Der Begriff hat(te) vor allem juristischen Belang, da anfänglich nur solche Geräte jagdlich zugelassen waren.


Entfernung: im jagdlichen Bereich zumeist die Distanz zwischen Objekt (Wild) und Subjekt (Jäger), die zum Zwecke der Erlegung von Projektil überwunden werden muss. Beim Schrotschuss von geringerer Relevanz als beim Büchsenschuss. Je größer die Entfernung, umso größer die Strecke, die das Projektil zurücklegen muss. Je länger diese Strecke ist, umso stärker können unterschiedliche Kräfte wie Gravitation oder ⇾Winddrift auf das Projektil einwirken und dessen Treffpunkt verlagern. Ab einer gewissen Distanz (⇾Fleckschussentfernung, ⇾GEE) kann diese Verlagerung kritisch sein. Deswegen sollte die Schussentfernung stets bekannt sein. Das kann entweder durch ⇾Entfernungsschätzung oder durch die Verwendung eines ⇾Entfernungsmessers erreicht werden.

Entfernungsmesser: opt. Gerät zum Ermitteln der ⇾Entfernung, vor Verfügbarkeit des Laser-Entfernungsmessers als rein optisches Schnitt- oder Mischbild-System wenig gebräuchlich. Laser-Entfernungsmesser sind jagdlich seit ca. 25 Jahren verfügbar.  Auf einen anvisierten Zielpunkt wird durch Betätigung einer Taste eine Serie von Laser-Impulsen „abgeschossen“, deren Reflexion von einer Fotozelle am Entfernungsmesser aufgefangen wird. Aus dem Mittelwert der Zeitspanne zwischen Aussendung und Empfang kann aufgrund der Konstante der Lichtgeschwindigkeit die genaue Distanz zwischen Messgerät und Zielpunkt berechnet werden, vorausgesetzt, dass keine optische Störung zwischen Ausgangs- und Zielpunkt vorliegt (Bäume, Sträucher, aber auch Nebel, Regen, Schneefall etc.). Entfernungsmesser werden entweder als einzelne Geräte angeboten oder in Ferngläser bzw. Zielfernrohre verbaut. In Kombination mit weiteren verbauten Messeinrichtungen (Luftdruck, Temperatur, Winkel etc.) und einem zugeschalteten ballistischen Rechner ergeben sich Systeme, die wichtige Informationen über die zu erwartende Treff- und damit die notwendige Haltepunktverlagerung ergeben. Wird ein solcher ballistischer Entfernungsmesser mit einer passenden ⇾Absehenschnellverstellung kombiniert, entfällt auch die Haltepunktverlagerung zumindest in der Höhe. Auch auf der Drückjagd mit ihren rel. kurzen Schussentfernungen ist ein Entfernungsmesser von Vorteil: Man prägt sich vor oder zu Beginn des Triebes mehrere Geländemarken und deren gemessene Entfernung im Umfeld des Standes ein und hat damit gute Anhaltspunkte, wie der Schuss auf ziehendes, trollendes oder flüchtiges Wild auf die unterschiedlichen Entfernungen anzutragen ist.

Entfernungsschätzung: Da eine präzise Entfernungsmessung nicht immer möglich oder sinnvoll ist, sollte die Fähigkeit zur Entfernungsschätzung vorhanden sein resp. geübt werden. Dazu gibt es unterschiedliche Methoden wie die Entfernungshalbierung, die Unterteilung in 10-Meter-Einheiten, oder das freie Schätzen aus Erinnerung. Eine relativ einfache Methode ist die „Daumensprungmethode“. Man visiert dazu über den ausgestreckten Daumen mit dem rechten Auge die linke Kante eines Hilfszieles bekannter Breite (z.B. zwei Meter breiter Waldweg) an. Dann schließe man das rechte und öffne das linke Auge. Der Daumen wird nach rechts gesprungen sein. Diese „Sprungdistanz“ mal 10 ergibt die Distanz zum Hilfsziel. Sprich: ist der Daumen exakt um die Wegbreite gesprungen, dann ist die Distanz zur anvisierten Stelle die Wegbreite von 2 Metern mal 10=20m. Diese Entfernungsschätzung „π mal Daumen“ ist erstaunlich genau.
Entfernungen können aber auch mittels bestimmter optischer Hilfsmittel geschätzt werden: einige Ferngläser militärischer Herkunft enthalten Strichplatten, die nach der Formel „Entfernung = (Zielbreite/Anzahl verdeckter Striche) x 1000“ eingesetzt werden können. Bekannter dürfte die Entfernungsschätzung mittels ⇾Zielfernrohr und ⇾Absehen 1 bzw. 4 sein: bei diesen Absehen beträgt der Anstand zwischen den Horizontal-Balken auf 100m Distanz 70cm und damit im Ungefähren der Länge eines Rehs von Vorschlag bis Spiegel. Dies trifft auch bei variablen Zielgläsern zu, sofern das ⇾Absehen in der 1. ⇾Bildebene liegt. Bei den Absehen 1A bzw. 4A ist der Abstand zwischen den Horizontalbalken mit 140cm bemessen, entsprechend ändern sich die Entfernungen.


Fernglas: wichtigstes optisches Hilfsmittel des Jägers. Tragbares, in der Regel freihändig verwendbares, binokulares ⇾Fernrohr. Wird für jagdliche Zwecke fast ausschließlich in Prismenbauweise (entweder mit ⇾Dachkant– oder ⇾Porroprismen) angeboten. Man unterscheidet darüber hinaus nach (selteneren) Fixfokus- und fokussierbaren Systemen. Bei Fixfokus-Systemen (hauptsächlich Steiner Sports-Autofokus, auch „Marinegläser“ genannt) wird die Scharfstellung für den Bereich zwischen ca. 20m und unendlich gegenseitig fixiert. Lediglich über die beidseitige ⇾Dioptrienverstellung kann in gewissem Umfang nachjustiert werden, im Wesentlichen übernimmt die Fokussierleistung des menschlichen Auges die Arbeit, jüngere Nutzer sind im Vorteil. Fokussierbare Systeme werden über den ⇾Mitteltrieb scharf gestellt und können so an die jeweils beobachtete Entfernung angepasst werden. Zudem setzen sich in jüngerer Zeit mehr und mehr sog. „offene“ Gläser, d.h. Gläser ohne durchgehende Mittelbrücke am Markt durch, die leichter zu greifen und damit ruhig zu halten sind. Erwähnung sollten hier auch noch die bildstabilisierten Gläser finden: während fernöstliche Hersteller elektronische Bildstabilisierungen bei geringen ⇾Vergrößerungen wie 8x oder 10x anbieten, hat bislang lediglich Zeiss eine rein mechanische Stabilisierung durch kardanische Aufhängung des Prismensystems bei 20-facher ⇾Vergrößerung geschafft. Jagdlich sind solche Systeme von wenig Bedeutung, sei es durch nachgeordnete Glasqualitäten wie bei den fernöstlichen Herstellern oder durch hohes Gewicht und hohen Preis wie beim Zeiss-System.
Qualitätsmerkmale eines Fernglases sind neben ⇾Vergrößerung, ⇾Vergütung der Linsen resp. Prismen und daraus resultierender ⇾Transmission und ⇾Randschärfe auch ⇾Dämmerungsleistung und Gewicht.

Fernrohr: Grundprinzip und sozusagen Urmutter aller jagdlich genutzten optischen Systeme. Durch Bündelung des Lichtes werden entfernte Objekte um ein Vielfaches vergrößert und näher dargestellt. Unterschieden werden zwei Systeme: Refraktor (Bündelung des Lichtstrahls durch Linsensysteme) und Reflektor (Bündelung des Lichtstrahls durch Hohlspiegel und Linsensysteme). Jagdlich hat nur der Refraktor Bedeutung, sei es als ⇾ Fernglas, ⇾Spektiv oder ⇾Zielfernrohr. Weiters wird bei Fernrohren noch nach Galilei’schem und Kepler’schem Fernrohr unterschieden (siehe ⇾Dachkantprisma).

Fernrohrleistung: beschreibt die Leistung eines fernoptischen Instruments (Fernrohr oder Fernglas). Ursprünglich dargestellt durch den Quotienten aus der Sehschärfe des Fernrohrblicks und der Sehschärfe mit unbewaffnetem Auge kamen später mehrere Faktoren hinzu, die auch Themen wie ⇾  Dämmerungsleistung, Pupillenweite des Beobachters und wahrnehmungspsychologische Aspekte in Betracht zogen. Wichtige Arbeit leisteten Köhler & Leinhos (beide Carl Zeiss AG) mit ihrer auf die Sehschärfe bezogenen Universalformel ebenso wie Max Berek (Ernst Leitz AG) mit seinen Erkenntnissen über die Wahrnehmungsgesetze zur Objekterkennung.
Von jagdlicher Bedeutung ist der Begriff der Fernrohrleistung in all seinen Parametern im Wesentlichen darin, dass der kundige Adept dieser Wissenschaft jedwede innen- wie außenballistische Diskussionsrunde durch Introduktion eines noch infertileren Themas mittels spiralförmiger Abwärtstendenz zum kausalen Nullpunkt zu führen vermag.

Fleckschussentfernung: siehe ⇾GEE (Günstigste Einschuss-Entfernung)


GEE=Günstigste Einschuss-Entfernung: die Distanz, an der sich ⇾Visierlinie  und Flugbahn eines Geschosses zum zweiten Mal schneiden, wenn sich das Geschoss vor Erreichen dieses 2. Schnittpunkts nicht mehr als 4 cm nach oben von der Visierlinie entfernt hat. Da dieser 4cm-Scheitelpunkt beim Gros der heute verfügbaren Laborierungen spätestens bei 100m erreicht ist, spricht man auch von der „100-plus-vier-Entfernung“, meinend, dass die GEE erreicht ist, wenn die Kugel auf der 100m-Scheibe vier Zentimeter über dem Haltepunkt sitzt. Der kundige Leser erkennt: hier wurde heftig „definiert“! Zerlegen wir: woher kommt diese „maximal 4cm über Visierlinie“-Erhöhung? Aus dem Abstand zwischen Laufseele und zieloptischer Achse, und die Zieloptiken dieser Zeit hatten eben so um die 42mm Durchmesser und die gute alte Suhler Einhakmontage samt den Lauflagerstärken anno dazumal ergab halt irgendwie diese vier Zentimeter.
Nun schießen wir heute gerne anstatt aus einer 42er- aus einer 56er-Zieloptik, dafür sind die Montagen deutlich niedriger geworden, die Laufwandungen aber erheblich stärker, weil wir im Zweifel erheblich dickere Pillen mit erheblich mehr Dampf auf die Reise schicken als unsere Vorväter. So kommt es, dass einzelne Munitionshersteller inzwischen ihre GEE mit „100-plus-fünf“ angeben.
An dieser Stelle könnte Verwirrung einsetzen. Der eine sagt 4, der andere sagt 5 cm, und dieser eine Zentimeter auf 100 m kann Welten, kann Leben und Tod, kann Erlegung oder Nachsuche bedeuten. Aber wenn man das durchdenkt, dann wird klar: es ist eben nur Definition.
Auf Herstellerangaben zu GEE aus Prospekten oder auf Munitionspackungen kann man sich nicht wirklich verlassen. Denn sie beruhen auf 60cm-Messläufen, die eigene Waffe hat womöglich eine andere Lauflänge, damit ändert sich die Mündungsgeschwindigkeit V0. Es ist daher wichtig, dass man die Daten der bevorzugten Laborierung (also die, die die besten Gruppierungen, die beste Tötungswirkung, die besten Pürschzeichen und die geringste Wildbretentwertung aus der jeweiligen Waffe liefert) genau kennt. Man hat die V0 per Schuss durch den Geschwindigkeitsmesser ermittelt, den Geschossabfall (ballistische Kurve) mit einem ⇾Ballistikrechner berechnet und zur endgültigen Sicherheit auf einem entsprechenden Stand auf 100, 200, 300m bestätigt.


 Höhenverstellung: mechanische Einrichtung am ⇾Zielfernrohr zur Verstellung des ⇾Absehens in der Höhe, um die vertikale ⇾Abweichung  des Projektils auszugleichen. Ist oben auf dem Zielfernrohr angebracht, die Verstellung läuft in festgelegten Einheiten, die als „Klick“ spürbar sind ( ⇾Klickverstellung ). Die Einheit, um die sich der Treffpunkt bei festgelegter Distanz ( ZF europäischer Hersteller: 100m, bei ZF für den internationalen Markt gelegentlich auch 100 yds)  verschiebt, ist ebenfalls festgelegt. Bei ZF für den deutschsprachigen Markt gilt: 1 „Klick“ = 1cm auf 100m.  Zunehmend wird aber auch eine Verstellung per Winkelminute (Minute of angle) angeboten. Siehe ⇾MoA


Klickverstellung: in Rasten laufende und somit spürbare Verstellmöglichkeit der Treffpunktlage des ⇾Zielfernrohrs in der Horizontalen und Vertikalen (⇾Höhenverstellung, ⇾Seitenverstellung).

Kollimator: von lat. collineare „geradeaus zielen, richten“. Optisches Kontrollgerät für ⇾Zielfernrohre. Der Kollimator ist im Wesentlichen eine Linse, die ein paralleles Strahlenbündel erzeugt. Das hat den Vorteil, dass sich dieses Strahlenbündel in einem beliebigen Abstand hinter dem Kollimator nicht verändert. Sprich: eine Messmarke in der Brennebene des Kollimators (Strichplatte, Fadenkreuz etc.) wird ins Unendliche abgebildet. Ein in den Kollimator eingelegtes Zielfernrohr kann damit auf ⇾Parallaxfreiheit, Schlag- und Schussfestigkeit und der Wiederholgenaugikeit des ⇾Absehens resp. dessen Verstellung geprüft werden. Unter der Bezeichnung Kollimator werden auch einfache sog. „Schussprüfer“ angeboten. Diese haben meist eine Strichplatte in der Brennebene und werden mittels Magnet oder Kaliberdorn an der Laufmündung befestigt. Die Position des Absehens des justierten Zielfernrohrs wird notiert. Erhält das Zielfernrohr einen Schlag und vermutet man eine Treffpunktverlagerung, lässt sich dies in gewissen Grenzen dann durch erneutes Aufsetzen des Schussprüfers kontrollieren. Allerdings muss man je nach verwendetem Schussprüfer mit Abweichungen von bis zu 10 oder mehr cm nach Höhe oder Seite rechnen. Man kann also allenfalls sagen, ob der Schuss auf 100m noch auf einem DIN-A4-Blatt sitzt oder nicht. Für das Einschießen, dessen einen die Verwendung des Schussprüfers nicht enthebt, ist das ein wichtiger Anhaltspunkt.  Ein Hinweis noch: unter der Bezeichnung Schussprüfer, wahlweise auch „Boresighter“ werden auch Laserpatronen verkauft, die – ins Lager eingelegt – einen angeblich mittig durch die Laufseele gehenden Laserstrahl aussenden. Zur groben Überprüfung der Treffpunktlage bei Flinten können sie dienlich sein, für Büchsen taugen sie nichts. Zum einen ist der Laserpunkt bereits auf 10m bei Tageslicht kaum mehr erkennbar, zum anderen bilden sie rein die Laufseele ab, und damit nur den ersten, aber nicht den entscheidenden 2. Schnittpunkt von Visierlinie und Geschossflugbahn.


Leuchtabsehen: auch als Leuchtpunkt bezeichnet. In das ⇾Absehen des ⇾Zielfernrohrs  wird ein leuchtender Punkt eingebracht. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen: entweder strahlt eine batteriegespeiste Diode eine entsprechende Zentralfläche (Punkt, Kreuz, Ring mit Punkt oder Kreuz etc.) im Absehen mit Farblicht (meist rot) an, oder die Diode ist direkt im Absehen untergebracht. Weiters kann der Zentralpunkt des Absehens aus einem lichtleitenden Glasfaserstrang oder
-bündel bestehen, das entweder künstlich erzeugtes oder Umgebungslicht anleitet. Solche umgebungslichtgespeisten Leuchtabsehen sind meist in sehr günstigen Zieloptiken verbaut und verlieren in dunklen Bereichen ihre Leistungsfähigkeit. Ein Leuchtabsehen sollte idealerweise dimmbar sein, um die Sichtbarkeit den Lichtverhältnissen der jeweiligen Schusssituation anpassen zu können, auch um den Zielpunkt nicht zu überstrahlen. Weiter ist es aus Gründen der Praktikabilität sinnvoll, wenn das Leuchtabsehen über eine automatische Abschaltung verfügt, die mittels Lagesensor feststellt, ob sich die Waffe im Anschlag befindet oder nicht. Auch wenn sich der Batterieverbrauch meist in tolerablen Grenzen hält, ist es dennoch ärgerlich, wenn beim Anwechseln des Lebenskeilers der Leuchtpunkt versagt. Manche Hersteller beugen dem vor, indem sie auf einem der beiden Verstellungstürme oder der Dimmeinrichtung ein Fach für eine Ersatzbatterie unterbringen.
Das Leuchtabsehen hat nicht von der Hand zu weisende Vorteile: Das menschliche Auge ist durch die Evolution darauf angelegt, Reizen unweigerlich zu folgen. Zu Zeiten, als wir noch Gefahr liefen, vom Säbelzahntiger zum Frühstück verspeist zu werden, war diese „Frühwarnfunktion“ unseres Auges lebens- und arterhaltend. Und da wir gerne an Bewährtem festhalten, sind unser Auge resp. seine Wechselfunktion mit dem Stammhirn heute noch die gleiche wie vor einigen zehntausend Jahren: sieht das Auge ein Licht im Zielfernrohr, saugt es sich daran fest. Diese Konzentration auf einen Punkt ist für den sicher platzierten Schuss unerlässlich. Das gilt sowohl für verhoffendes als auch für flüchtiges Wild, für letzteres sogar besonders: Ein Wild kommt in guter Flucht auf 60 Meter am Stand vorbei. Man will ihn sauber im vorderen Teil des Lebens treffen. Das Auge des Schützen saugt sich, dem Lehrbuch und der Erfahrung folgend, exakt an dieser Stelle fest. Er fährt auf, schwingt mit, lässt fliegen, die grobe Sau knickt hinten ein und verschwindet mit der Kugel in der Keule in der Dickung. Das Auge des Schützen klebte so am Blatt, dass er das Fadenkreuz nicht die gute Elle vor den Wurf der Sau brachte. Der Leuchtpunkt hätte hier geholfen, weil er das Auge des Schützen eben auf sich, damit auf den HALTEpunkt, und nicht auf den TREFFpunkt geleitet hätte.
Zu den beiden Bauformen „Glasfaserbündel“ und „durch Diode angestrahlter Absehenmittelpunkt“: erstere erzeugen einen kleineren Lichtpunkt, der weniger vom Ziel überstrahlt. Letztere haben den Vorteil, dass bei Batterieausfall noch immer ein klar erkennbarer Mittelpunkt des Absehens da ist. Eine Sonderform des Leuchtabsehens ist das ⇾Reflexvisier.

Lichtstärke: bezeichnet den rechnerischen Helligkeitswert eines Fernglases oder Zielfernrohres. Formel: Lichtstärke = Wurzel aus Objektivdurchmesser geteilt durch Vergrößerung. Der ermittelte Wert sagt nichts über die Qualität des Linsenglases, die Vergütung, Entspiegelung etc. aus. Die in Prospekten angegebenen Werte sind aber dennoch meist mit dieser Formel errechnet und damit weitgehend nutzlos. Wichtiger sind die ⇾Transmissionswerte: wie viel Licht welcher Wellenlänge kann durch das Glas ins menschliche Auge geleitet werden? Als Faustregel gilt: Ein gutes Nachtglas sollte Licht einer Wellenlänge zwischen 450 und 500nm zu 90-92% durchleiten. Häufig werden in Werbeprospekten Werte von bis zu 95% genannt. Hier ist gesundes Misstrauen angebracht, häufig wurden diese mit Tageslicht errechnet. Da zudem das menschliche Auge eine extrem individuelle Angelegenheit ist, bleibt dem Suchenden nur das Verfahren von Versuch und Irrtum offen. Dennoch ist die oben genannte Formel nur weitgehend und nicht völlig nutzlos: Ein großer Objektivdurchmesser „säuft“ Licht, eine große Vergrößerung „frisst“ es wieder auf. Deswegen wird ein 8×56-Glas immer eine bessere Lichtstärke haben als ein 10×42-Glas – gleiche Glas- und Vergütungsqualität vorausgesetzt.

Linse: Wichtigster bildgebender Bestandteil eines optischen Gerätes. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen sphärischen und ⇾asphärischen Linsen. Bei sphärischen Linsen entspricht die Wölbung exakt dem Oberflächenausschnitt einer Kugel, die Wandstärke des Glases nimmt also vom Maximalwert, der Mitte, in gleichmäßiger Krümmung zum Rand hin ab bzw. zu. Bei asphärischen Linsen wird die Krümmung zum Rand hin verändert.  Je nach innen- resp. außenseitiger Krümmung der Linse gibt es bikonvexe, plankonvexe, konkav-konvexe, konvex-konkave, plankonkave und bikonkave Linsen. Konvexe, also nach außen gekrümmte Flächen sammeln, plane leiten ungesammelt durch, konkave Flächen zerstreuen Licht. Durch entsprechende Anordnungen der unterschiedlichen Linsenformen wird zum einen das Bild in richtiger Ausrichtung und zum anderen in entsprechender Vergrößerung auf die Netzhaut des menschlichen Auges geleitet. Wenn konkave und konvexe Flächen zudem richtig angeordnet werden, kann man Brennweiten, also Durchleitungsstrecken erreichen, die die tatsächliche Baugröße des Instruments übersteigen. Hier sind insbesondere die ⇾asphärischen Linsen wichtig, da durch eine entsprechende Manipulation der Linsenkrümmung eine stärkere Verringerung der Baulänge, eine wesentliche Gewichtskorrektur und insbesondere ein schärferes, kontrastreicheres und detailgetreueres Bild im Randbereich des Sehfeldes erreicht wird.


MilDot-Absehen: Ursprünglich ⇾Absehen  für Scharfschützen, findet aber auch in klassischer sowie in abgewandelter Form als ⇾Ballistikabsehen jagdliche Verwendung. Beim MilDot-Absehen sind an senkrechtem und waagrechtem Faden in definiertem Abstand Punkte in ebenfalls definierter Größe angebracht. Somit lassen sich bei bekannter Zielgröße der Abstand zum Ziel und bei bekanntem Abstand zum Ziel die Haltepunktkorrektur berechnen.
Zur Mathematik: legt man die Länge des Radius eines Kreises auf dessen Kreisbogen an, so ist der Winkel, der diese Länge markiert, ein Radiant, abgekürzt „rad“. Bei einem Kreis mit einem Meter Radius gilt folglich:
1rad = 1m. Die Punkte des MilDot-Absehens (Zentrum zu Zentrum) sind 1/1000 rad, also ein Millirad (mrad) auseinander. Die Punkte selbst haben eine Größe von ¼ mrad. Somit ist der Abstand von Punktrand zu Punktrand ¾ mrad.

Bei einem Abstand zum Ziel von 100m ist ein mrad somit 100m/1000= 0,1m oder 10cm.
Der Punkt von ¼ mrad deckt 2,5cm ab, der Abstand zwischen den Punkten von ¾ mrad beträgt damit 7,5cm. Durch eine einfache Anwendung des Strahlensatzes kann nun die Entfernung geschätzt werden: passt ein Gegenstand von 50cm Länge zwischen zwei Punkte (0,75 mrad), dann ist er 50/7,5=6,66*100m weit weg, also 666m. Füllt er nur den halben Abstand aus, so ist er doppelt so weit weg: 50/7,5/200= 1332m.
Weiß der Schütze aus Kenntnis der Ballistik seiner Laborierung, wie tief seine Kugel auf eine bekannte oder geschätzte Distanz fällt, kann er durch Anlegen des entsprechenden Punktes Fleckschuss erzielen.

Minute of Angle (MoA, Winkelminute): Einheit der ⇾Klickverstellung von ⇾Zielfernrohren. Neben der im deutschen Sprachraum üblichen Verstellung (1 Klick=1cm auf 100m) werden die Zielfernrohe ausländischer Hersteller häufig nach Winkelminuten verstellt. Eine Winkelminute ist der 60. Teil eines Winkelgrads. Ein Kreis hat 360 Grad, ein Grad hat 60 Winkelminuten. Wir verlassen kurz unser bekanntes metrisches Maßsystem und begeben uns in imperiale System von Inch und Yards: 
Der Abstand zum Ziel beträgt 100yards, das ist also der Radius unseres Kreises.  Umfang/360/60 ergibt ein Kreisbogensegment von 0,029 Yards, das ist ziemlich genau ein Zoll oder Inch (Abk. „).  Also: eine Winkelminute auf 100 yards entspricht ziemlich genau 1“. Daher werden die Zielfernrohre in der Regel so verstellt: 1 Klick= ¼“(= 6,35mm) auf 100yds. Umgerechnet auf unser metrisches System entspricht dann 1 Klick= 7,3mm auf 100m.
Vereinfacht kann gesagt werden: wird in der Klickverstellung nach Zentimetern quasi die Haltepunktkorrektur vorn auf der Scheibe eingestellt, so wird bei MoA-Verstellung der Winkel zwischen Visierlinie und Laufseele hinten beim Schützen eingestellt.
Hinter der ganzen Sache steckt der Strahlensatz. Wenn eine Winkelminute auf einer Distanz von 100yds einem Zoll oder inch entspricht, dann entspricht sie auf 200yds 2 Zoll, auf 300yds 3 Zoll und so weiter. Der bekannte Abfall des Geschosses in Zoll (A) auf eine Distanz (D) wird in Winkelminuten umgerechnet: (A/D)*100= Anzahl der auszugleichenden Winkelminuten. Kugel fällt 15 inch auf 300 yds: (15/300)*100=5 MoA sind am ZF einzustellen.
Die MoA-Verstellung bietet beim jagdlichen Schießen keine Vor- oder Nachteile im Vergleich zur Verstellung nach Zentimetern. Ob ich nun weiß, dass ich auf 300 Yards 5 MoA nach oben gehen muss oder auf 300m 40cm macht keinerlei Unterschied. Es ist lediglich ein anderes System.

Mittelrohrdurchmesser: bezeichnet den Durchmesser des zylindrischen Mittelrohres eines ⇾Zielfernrohrs, an dem Ringe zur Befestigung des ZFs auf der Waffe angebracht werden (⇾Montage). Um die Bauteile, die ein Büchsenmacher für eine Montage vorhalten sollte, halbwegs übersichtlich zu halten, haben sich am Markt zwei Mittelrohrdurchmesser durchgesetzt: 25,4 mm (=1 Zoll) resp. häufiger 30mm oder inzwischen 36mm. Der größere Mittelrohrdurchmesser von 30mm hat entgegen sporadisch geäußerter Meinung keinerlei Einfluss auf die Bildhelligkeit. Er wurde mit Einführung der variablen Zielfernrohre notwendig: Die Strahlengeometrie verändert sich in den verschiedenen Einstellungen des Zooms signifikant. Umkehrlinsen müssen auf definierten Bahnen zueinander und im gesamten System verschoben werden, was mehrere ringförmig angeordnete Bauteile notwendig macht – die brauchen einfach mehr Platz. Es gibt allerdings auch variable Gläser mit dem kleineren 1-Zoll-Durchmesser, die haben aber dann einen niedrigeren Zoomfaktor: im Mittelrohr von 36mm lässt sich ein sieben- bis beinahe achtfacher Zoomfaktor (z.b. 4,8-35) unterbringen, bei 30mm sinkt er auf vierfach (z.B. 2,5-10), bei einem Zoll auf dreifach (3-9).

Mitteltrieb: Einrichtung zur Fokussierung bei ⇾Ferngläsern. Der Mitteltrieb justiert dabei gleichzeitig den Fokus beider optischen Systeme des Fern- oder Doppelglases. Ferngläser im Fixfokus-System verfügen über keinen Mitteltrieb, hier ist die Scharfstellung für einen Bereich von ca. 20m bis Unendlich fixiert, die Nachjustierung läuft über die eigene Fokussierleistung des menschlichen Auges. Im jagdlichen Bereich werden vornehmlich fokussierbare mit Mitteltrieb eingesetzt. Der Mitteltrieb ist das kleine Rädchen zwischen den beiden Röhren des Fernglases.

Montage: feste Verbindung des ⇾Zielfernrohrs mit der Waffe. Man unterscheidet zwischen fixen Montagen, bei der das ZF nur unter Verwendung von Werkzeugen von der Waffe abgenommen werden kann, und solchen, bei denen die Optik „von Hand“ abgenommen und wieder aufgesetzt werden kann. Letztere finden im jagdlichen Bereich die häufigste Verwendung. Die Anzahl der unterschiedlichen Systeme, die entweder althergebrachtes Büchsenmacherhandwerk wie die Suhler Einhakmontage (SEM) sind oder von spezialisierten Herstellern sowie teilweise von Waffenfirmen erdacht und angeboten werden, nähert sich langsam einer gewissen Unübersichtlichkeit. Wichtiger als die exakte Kenntnis aller verfügbaren Systeme ist daher die Kenntnis der Anforderungen an eine gute Montage:
1) Festigkeit. Beim Schuss wirken auf das System Waffe/Zielfernrohr massive Kräfte ein, die je nach Kaliber, Bauart und Waffengewicht auch in den Bereich einer Tonne gehen können. Die Verbindung der Zieloptik mit der Waffe darf sich dabei um keinen Millimeterbruchteil verschieben oder verziehen, sonst landet der nächste Schuss nicht da, wo der erste saß. Zudem muss die Montage resistent gegen Temperaturschwankungen und damit einhergehenden Materialverzug sein.
2) Wiederholgenauigkeit: nimmt man die Zieloptik von der Waffe ab und setzt sie wieder auf, muss die Verbindung der beiden Einheiten exakt so sein wie vor der Abnahme. Ist sie das nicht, sind Streukreise und Ausreißer die Folge, die zu Fehl- oder, schlimmer noch, Krankschuss führen.
3) Funktionalität: Die Montage darf die sichere Handhabung der Waffe keinesfalls behindern, Repetiervorgang und Patronenauswurf dürfen ebenfalls nicht dadurch gestört oder beeinflusst werden. Sie muss in Bauhöhe und Augenabstand zum System und zum Schützen passen. Speziell die Bauhöhe ist hier wichtig: da Serienwaffen immer noch grundsätzlich für den Schuss über ⇾offene Visierung geschäftet werden, würde eine zu hoch bauende Montage dazu führen, dass der Schütze für einen ungehinderten und klaren, randschattenfreien Blick durchs Zielfernrohr den Kontakt zum Schaft verliert.
Neben den klassischen Montagen, bei denen das ZF auf zwei Füßen (Supporten) mit der Waffe verbunden wird, haben sich Schienensysteme (Picatinny, Weaver, Nato, Prismen) etabliert und erfreuen sich am Markt zunehmender Beliebtheit, unter anderem weil sie bei CNC-Fertigung bereits in Lauf oder Hülse eingefräst werden können. Die häufigsten Systeme sind Weaver und Picatinny, daher sollen sie hier etwas genauer erörtert und verglichen werden: bei beiden handelt es sich um t-förmige Schienen mit einem beidseitigen Außenwinkel von 90° und eingefrästen Quernuten, wobei diese bei der älteren Weaverschiene erst später hinzugefügt wurden. Die Weaverschiene, die in den 1930er Jahren eingeführt wurde, war das weltweit erste standardisierte Schienensystem zur Befestigung von Zieloptiken und anderen Teilen an einer Waffe. Ursprünglich war sie glatt, Quernuten, in die Querstollen einer Zielfernrohrmontage wiederholgenau eingreifen, wurden erst später hinzugefügt. Im Behördenbereich wuchsen mit den Jahren die Anforderungen, weil immer mehr Zubehörteile wie ⇾Reflexvisiere, ⇾Nachtsichtgeräte, Lichtquellen und Handgriffe an Waffen befestigt werden mussten. Damit wurde eine genauere Standardisierung notwendig. In den 80er Jahren entwickelte A.R.M.S. (Atlantic Research Marketing Systems) die Prinzipien der Weaverschiene dahingehend weiter. 1995 wurde dann eine für US-Armee und NATO verbindliche Spezifikation festgelegt: MIL-STD-1913 (USA) bzw. STANAG 2324 (NATO). Da diese Spezifikation im Picatinny Arsenal im US-Bundesstaat New Jersey durchgeführt wurde, spricht man heute von der Picatinny-Schiene. Der wesentliche Unterschied zwischen Weaver und Picatinny liegt in den Quernuten: bei Picatinny sind diese breiter, um die ggf. höheren Rückstöße von Militärwaffen besser verkraften zu können. Vor allem aber sind sie exakt festgelegt: Die Nuten sind exakt 5,23mm weit und im Querschnitt rechteckig, der Abstand Mitte zu Mitte beträgt 1,01cm. Die Nuten einer Weaverschiene dagegen sind 4,57mm weit und im Querschnitt unten abgerundet, die Abstände von Mitte zu Mitte sind nicht notwendigerweise konsistent. Wiederholgenau sind beide. Für den (jagdlich wohl weniger interessanten) Bereich der anzubringenden Accessoires gilt: was auf eine Weaverschiene passt, passt fast immer auch auf eine Picatinny. Umgekehrt ist das fast nie der Fall. Für Zielfernrohrmontagen gilt aber: Weaver immer auf Weaver, Picatinny immer auf Picatinny. Der Unterschied von 0,66mm in der Nutenweite zwischen beiden Systemen reicht aus, um bei falscher Montage auf falscher Schiene die Kugel anstatt ins Leben des Wildes sonst wohin zu schicken.


Nachsatzgerät: zähl zu den ⇾Nachtsichtoptiken und wird, im Gegensatz zum ⇾Vorsatzgerät nicht am ⇾Objektiv, sondern am ⇾Okular des ⇾Zielfernrohrs, also schützenseitig, montiert. Es handelt sich dabei meist um digitale ⇾Bildwandler, seltener um Geräte mit Röhrentechnik. Nachsatzgeräte mit ⇾Wärmebildtechnik sind im jagdlichen Bereich sehr selten. Nachsatzgeräte haben den Vorteil, dass man durch sie ins Zielfernrohr blickt, sie müssen daher nicht eingeschossen werden. Allerdings befindet sich bei Anwendung der Kopf des Schützen deutlich hinter der sonst gewohnten Position am Schaft, sodass eine aufsteckbare Schaftverlängerung notwendig sein kann. Ansonsten kann es im Rückstoß zu unangenehmem Kontakt des Auges mit dem Okular des Nachsatzgerätes kommen. Digitale oder röhrenbasierte Nachsatzgeräte, die mit einem eingebauten oder zusätzlichen Bildaufheller verwendet werden, können den Nutzer in Konflikt mit dem Waffen- und Jagdrecht führen. Die jeweilige Gesetzeslage ist daher genau zu beachten. Dass es sich bei Nachsatzgeräten immer um ⇾Dual-Use-Geräte handelt, ist hier nicht von entlastendem Belang. Verfügt ein Nachsatzgerät über ein eigenes justierbares ⇾Absehen, wird es automatisch zum ⇾Nachtzielgerät.

Nachtsichtoptik: Sammelbegriff für Geräte, die gutes Sehen bei weitgehender oder völliger Dunkelheit ermöglichen. Wenn man reine ⇾Bildverstärker (auch „Generation 0“ genannt) aufgrund veralteter Technik außer Acht lässt, unterscheidet man nach 3 Technologien: 
1) ⇾Bildverstärker auf Röhren-Basis:  Sie bestehen, vereinfacht gesprochen, aus einer Photokathode , einer Kegel-Anode und einem Phosphorschirm. Licht trifft auf der Eingangsseite auf die Photokathode und löst dort Elektronen aus, die – im Vakuum mittels Kegel-Anode beschleunigt – auf den Leuchtschirm treffen und dort Fluoreszenz auslösen. Ab Generation 2 wurden zusätzlich sogenannte „Mikrokanal-Platten“ (MCP) eingebracht: sie fangen die von der Kathode ausgehenden Elektronen ein, kanalisieren und multiplizieren sie. Das Arbeitsprinzip der Röhre wird somit von Beschleunigung auf Vervielfältigung umgestellt.  Je nach Beschichtung der MCP werden Lichtverstärkung und Bildqualität verbessert.
2) ⇾Bildwandler auf digitaler Basis: Hier werden keine Röhren mehr eingesetzt, das Bild wird durch lichtempfindliche Sensoren erfasst und auf einem Bildschirm erzeugt.  Zivil-Geräte kamen grob gesprochen um die Jahrtausendwende im Kielwasser der digitalen Fotografie auf. Sie sind im Vergleich zu Röhrengeräten noch wenig verbreitet, die neuesten Bildwandlergeräte auf digitaler Basis zeigen aber enormes Potenzial: auch bei völliger Dunkelheit  werden Details beinahe wie bei Tageslicht dargestellt.
3) ⇾Wärmebildgerät: nutzt nicht das vorhandene sichtbare oder nicht sichtbare Licht, sondern die Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) von Objekten, deckt einen Wellenlängenbereich bis 8µm ab. Aufgrund der verwendeten Technologie sind diese Geräte auch bei Tageslicht, beispielsweise beim Pirschen im Wald und in gewissen Grenzen auch bei Nebel oder Schneefall sinnvoll einsetzbar, da ja nicht die vom Objekt ausgesandte Licht-, sondern Wärmestrahlung aufgefangen und dargestellt  wird. 
Bildwandler auf Röhrenbasis dagegen können bei Tageslicht nicht eingesetzt werden, sie können durch Tageslicht sogar irreversibel beschädigt werden. Bei digitalen Geräten ist dies nicht der Fall.
Sowohl digitale als auch röhrenbasierte Bildwandler können durch Infrarot-Quellen (Laser oder Strahler)  verstärkt werden. Hier ist bei jagdlichem Einsatz zu beachten, dass unterschiedliche Wildarten infrarotes Licht unterschiedlich gut wahrnehmen: Rotwild, Damwild und Fuchs reagieren am empfindlichsten, Schwarzwild weniger. Als Daumenregel gilt: Die gewählte Quelle sollte IR-Licht in einer Wellenlänge von mindestens 850, besser 940  Nanometern (nm) abgeben. IR-Lasern ist der Vorzug zu geben, da die Wellenlänge konstanter ist als bei IR-Strahlern. Allerdings reduziert sich bei Verwendung einer IR-Lichtquelle die Bildausbeute im Gerät. Bei Röhrenverwendung 2. Generation sollte die Wellenlänge  850 nm, bei der 3. Generation 920nm nicht übersteigen, digitale Bildverstärker arbeiten aber auch bei 980nm noch gut.
Eine weitere Unterscheidung bei Nachtsichtgeräten wird nach Verwendung als Beobachtungs- bzw. ⇾Vorsatzgerät getroffen. Erstere sind eigenständige Geräte zum Beobachten, letztere werden vor eine bestehende Optik (⇾Fernglas oder ⇾Zielfernrohr) montiert.
Bei Verwendung zur nächtlichen Beobachtung von Wild empfiehlt es sich, generell monokulare Geräte zu verwenden und diese vor das nicht dominante, d.h. nicht für das Zielen verwendete Auge zu halten. Alle Geräte erzeugen ein relativ helles Bild, die Iris des menschlichen Auges passt sich umgehend daran an und verengt die Pupille. Will sagen: ein Rechtsschütze, der mit dem Nachtsichtgerät seinen Lebenskeiler an der Kirrung entdeckt, wird nach Absetzen des Gerätes durch das nicht durch ein ⇾Vorsatz– oder ⇾Nachsatzgerät verstärkte Zielfernrohr lediglich die relativ kontrastarme Farbmischung „schwarz auf schwarz“ erblicken, was den gezielten Schuss und die anschließende Inbesitznahme der Beute sinnlos erschwert. Meist sind solche Geräte als Monokulare konstruiert. Es gibt aber auch inzwischen binokulare Geräte, auch solche, die Digitalkamera mit Tagsicht, digitalen ⇾Bildwandler und ⇾Wärmebildtechnik samt ⇾Entfernungsmesser in einem Gerät kombinieren.

Nachtzielgerät: auf eine Waffe zu montierende ⇾Nachtsichtoptik, die ein eigenes, justierbares Absehen enthält. Sowohl mit ⇾Wärmebildtechnik, als auch mit digitalem ⇾Bildwandler oder ⇾Bildverstärker erhältlich. Bei Tageslicht je nach Technologie bedingt oder nicht einsetzbar. Vor Kauf eines Nachtzielgerätes sind jagd- und waffengesetzliche Bedingungen zu klären.



Objektiv: der dem Objekt (=Ziel) zugewandte Teil eines optischen Gerätes. Da es den Lichteinfall sammelt, handelt es sich um die wichtigste Komponente abbildender optischer Geräte wie ⇾Fernglas, ⇾Spektiv oder ⇾Zielfernrohr. Weil die Sehfähigkeit des menschlichen Auges wesentlich von der Menge des einfallenden Lichtes abhängig ist, kommt der Größe des Objektivs eine große Bedeutung zu.

Objektivdurchmesser: wird bei Jagdoptiken stets durch die Zahl hinter dem „x“ in Millimetern angegeben. Ein ⇾Fernglas 10×42 hat demnach einen Objektivdurchmesser von 42mm oder 4,2cm. Zu denken, dass ein größtmöglicher Objektivdurchmesser die größtmögliche Lichtmenge einlässt und daher zum bestmöglichen Bild führt, ist jedoch ein Trugschluss. Die Bildqualität eines optischen Gerätes ist von mehreren Faktoren abhängig: Qualität des verwendeten Glases (⇾Vergütung), ⇾Lichtstärke und ⇾Austrittspupille (⇾Okular).

Offene Visierung: bezeichnet alle nicht-optischen auf einer Waffe montierten Hilfsmittel zur Abgabe eines gezielten Schusses. Ein gezielter Schuss entsteht generell dadurch, dass eine Waffe dorthin schießt, wohin der sie handhabende Mensch im Moment der Schussabgabe blickt. Um diese Systemeinheit Mensch/Waffe zu präzisieren, sind Hilfsmittel angebracht, die eine Referenzierung ermöglichen. Sprich: Man braucht was, womit man prüfen kann, ob sich die Einheit Mensch (Körper und Auge) und Waffe in Ziellinie befinden. Die einfachste Form der offenen Visierung ist ein vorn an der Waffe angebrachtes Korn, wie wir es von der Flinte kennen. Dieser Referenzierungspunkt wird entweder über die Lauf- oder eine eigens auf die Waffe aufgebrachte Drückjagd-Schiene anvisiert und ermöglicht ein erstaunlich präzises Schießen: Dem Autoren sind französische und belgische Schützen bekannt, die mit ihren Bockdoppelbüchsen und einer Schiene/Korn-Visierung Sauen sauberer über die Schneise roullieren lassen als mancher Jäger mit ⇾Zielfernrohr oder ⇾Reflexvisier.
Die sicherlich häufigste offene Visierung auf Büchsen besteht aus Kimme und Korn. Das Korn wird mittig in die Kimme (ein rechteckig, u- oder v-förmig ausgeschnittenes, mehr oder minder senkrecht zur Laufseele stehendes Stahlblatt) eingebracht. Notwendiger Tief- oder Hochschuss kann erzeugt werden, indem die Oberkante des Korns entweder fluchtend (gestrichen Korn), tief (feines Korn) oder hoch (volles Korn) in die Kimme gesetzt wird. Wird das Korn in der Kimme nach rechts oder links geschoben (geklemmt), erzeugen sich Abweichungen nach der Seite. Kimme/Korn-Visierungen werden zumeist (angeblich) vom Waffenhersteller justiert. Auf guten Waffen sind sie durch den Schützen selbst justierbar.
Eine weitere, im jagdlichen Bereich leider selten gewordene, aber durchaus sinnvolle Form der offenen Visierung ist der ⇾Diopter, der im sportlichen Schießen immer noch Verwendung findet. Er ermöglicht im Vergleich zu Schiene/Korn und Kimme/Korn einen ungleich präziseren Schuss.
Offene Visierungen haben zwei nicht von der Hand zu weisende Vorteile: zum einen ist eine Waffe ohne Zieloptik deutlich leichter. Zum anderen ermöglicht der Schuss über die offene Visierung ein erheblich größeres Blickfeld, zumal wenn – wie es eigentlich immer der Fall sein sollte – mit zwei offenen Augen geschossen wird. Man kann z.B. am Drückjagdstand, bei der Blattjagd und in bestimmten Fällen auch in der Hirschbrunft deutlich genauer sehen, was das Wild macht und den Schuss dann entsprechend setzen. Es liegt auf der Hand, dass hier – je nach Seh- und Reaktionsfähigkeit des Schützen – Distanzgrenzen gesetzt sind. Innerhalb dieser Grenzen aber, die jeder Jäger für sich selbst ausloten muss, sind jagdliche Erfolge nicht nur möglich, sondern im Vergleich zur Verwendung von Zieloptiken durchaus erleichtert.  Diese Grenzen und die Fertigkeit im Umgang mit der offenen Visierung stellen Herausforderungen an die jagdlichen Fähigkeiten dar: Das System muss beherrscht werden und vor allem muss der Jäger erheblich näher an das Wild heran. Waidmännern wie Henrik Lott, die grundsätzlich keine Zieloptiken verwenden und ihr Handwerk mit der offenen Visierung beherrschen, gebührt daher hoher Respekt.

Okular: der dem menschlichen Auge (lat. oculus) zugewandte Teil eines optischen Gerätes. Stellt das ⇾Objektiv die Einfallsöffnung des Lichtes dar, so ist das Okular die Austrittsöffnung. Sprich: das Bild, was vorn durchs größere Loch hereinkommt, kommt hinten durchs Kleinere wieder heraus. Diese Öffnung oder ⇾Austrittspupille sollte für eine bestmögliche Abbildung des beobachteten oder zum Schuss anvisierten Objektes so bemessen sein, dass sie dem Auge des Jägers angemessen ist. Die Aufgabe des Okulars ist es, das vom ⇾Objektiv erzeugte Bild zu vergrößern. Bei richtiger Scharfstellung treten die aus dem Okular kommenden Lichtstrahlen parallel ins Auge. Der Betrachter hat dann das Gefühl, entspannt in die Weite zu schauen.


Parallaxe: bezeichnet die scheinbare Positionsänderung eines Objektes, wenn der Betrachter seine eigene Position verändert. Einfaches Beispiel: man peilt einen Gegenstand über den Daumen an und schließt dann wechselseitig die Augen. Der Daumen scheint dabei seine Position zu ändern (siehe auch ⇾Dominanz), tatsächlich hat aber der Beobachter, nämlich das betrachtende Auge, die Position verändert. Jagdlich relevant wird der Begriff „Parallaxe“ beim ⇾Zielfernrohr. Blickt ein Schütze nicht mittig und mit richtigem ⇾Augenabstand ins Zielfernrohr, entsteht Parallaxe. Das Absehen wandert also minimal vom Zielpunkt weg, daraus resultiert ein Zielfehler. Liegt das Auge nicht auf der geraden Linie von ⇾Absehen zu Zielpunkt, verschieben sich Sehachse und optische Achse gegeneinander. Man nimmt dies zumeist als Schatten im Zielbild wahr: ringförmig bei falschem Augenabstand, halbmondförmig bei seitlichem Einblick. Konstruktiv lässt sich dieser Zielfehler dahingehend beheben, dass die Zieloptik auf eine bestimmte Distanz parallaxfrei gestellt wird. Bei jagdlichen Zielfernrohren liegt diese Distanz in der Regel bei 100m. Innerhalb dieser Distanz erzeugt schräger Einblick keinen Zielfehler.

Parallaxenausgleich: Da es unmöglich ist, ein ⇾Zielfernrohr herzustellen, das auf alle Distanzen parallaxfrei gestellt ist, kann ein Parallaxenausgleich eingebaut werden. Er bietet eine entweder an einem Turm oder am ⇾Objektiv untergebrachte Möglichkeit, das Zielfernrohr auf die gewünschte Entfernung zum Zielobjekt mittels Linsenverschiebung parallaxfrei zu stellen. Diese Distanz sollte aber zuvor per ⇾Entfernungsmesser ermittelt werden.  Der Parallaxenausgleich bietet aber noch eine zusätzliche Möglichkeit: bei zunehmender Entfernung und hoher Vergrößerung kann mitunter die Dioptrienverstellung des Zielfernrohres nicht ausreichen, um sowohl Zielbild als auch ⇾Absehen scharf zu stellen. Hier kann mit dem Parallaxenausgleich nachjustiert werden. Dabei ist zu beachten: „Bild scharf“ bedeutet nicht automatisch Parallaxfreiheit auf die Distanz zum Ziel. Ist die erwünscht, muss sie am Ausgleich eingestellt werden. Zur Notwendigkeit des Parallaxausgleichs am Zielfernrohr lässt sich sagen: in der Regel ist bei jagdlichen Schussdistanzen bis 300m die Treffpunktabweichung durch Parallaxe meist geringer als die Schützen- und Waffenstreuung. Aber wenn man so will,  erzieht die Benutzung des Parallaxausgleiches zum ruhigeren und überlegteren Schießen, zudem versichert sich der Schütze damit, systemseitige Fehler ausgeschlossen zu haben. Das dient der eigenen Ruhe und Sicherheit. Wer sicher und ruhig schießt, schießt besser.

Porroprisma: Prismenform, die nach dem italienischen Optiker Ignazio Porro (1801-1875) benannt wurde. Auch wenn heute zumeist der schlankeren Bauform wegen das ⇾Dachkantprisma in Ferngläsern verbaut wird, sind die klassischen Porroprismen-Gläser universeller einsetzbar und finden sowohl bei der Jagd als auch bei der Marine, bei Sportveranstaltungen oder bei der reinen Tierbeobachtung Verwendung. Zur Umkehr des Bildes wird das Licht durch zwei rechtwinklig versetzte Halbwürfelprismen geleitet. Wo beim Dachkantprisma das Licht fünfmal reflektiert wird, geschieht das beim Porroprisma nur viermal. Daher müssen dessen Flächen nicht so hochwertig vergütet werden wie die des Dachkantprismas, außerdem sind Porroprismengläser billiger in der Herstellung, was sich günstig auf das Preis-Leistungs-Verhältnis auswirkt. Normalerweise werden solche Ferngläser in 8 oder 10facher Vergrößerung mit ⇾Objektivdurchmessern von 35mm aufwärts hergestellt und bieten hellere Bilder mit höherem Kontrast. Denn beim Porroprismensystem können meist doppelt so große  Strahlenbündel verlustfrei vom ⇾Objektiv zum ⇾Okular geführt werden als beim Dachkantprisma. Dadurch wird das Bild zum Rand hin heller, die Optik ist in der Dämmerung besser einsetzbar. Ferngläser mit Porroprismen erkennt man an der klassischen „Feldstecherform“ mit deutlicher Schulter.


Randschärfe: Auswahlkriterium beim Kauf einer Optik. Aufgrund der Form einer ⇾Linse nimmt bei jeder Optik die Bildschärfe vom Zentrum zum Rand hin ab.  Generell gilt: je qualitativ hochwertiger die Optik, umso besser die Bildschärfe im Randbereich.  Anbieter von Optiken machen gern großzügige Angaben zum Sehfeld und suggerieren so, dass die Bildschärfe über den gesamten Bereich gleich gut ist. Das ist meist ein Irrtum. Andere wiederum loben die herausragend gute Randschärfe ihres Produkts, die dann meist durch künstliche Verkleinerung des Sehfelds erreicht wird. In beiden Fällen lässt sich aus dem Werbeprospekt eher auf die Qualität des Marketings als auf die der Optik schließen. Man überprüft die Randschärfe einer Optik am besten dadurch, dass man sie auf ein gut strukturiertes Objekt wie beispielsweise eine gemauerte Hauswand richtet und dann die Bildmitte mit den Rändern vergleicht.

Reflexvisier: Zieleinrichtung für Waffen, die weitgehend ohne Linsensystem auskommt und daher im Unterschied zum ⇾Zielfernrohr a) zumeist vergrößerungsfrei und b) grundsätzlich ⇾parallaxfrei ist. Wird auch als Rotpunktvisier oder „Red Dot“ bezeichnet. Erste Prototypen wurden um die vorletzte Jahrhundertwende patentiert  (Grubb, Parsons & Co., 1901), Reflexvisiere wurden im WWII an Bord von Jagdflugzeugen oder bei der Flak verwendet. Die ersten jagdlich verwendbaren Reflexvisiere wurden von der schwedischen Firma „aimpoint“ hergestellt.
Bauweise: Ein leuchtender Zielpunkt wird über einen halbdurchlässigen Spiegel in das Auge des Schützen reflektiert. Somit werden (durch den Spiegel) das Ziel und (auf dem Spiegel) das reflektierte Absehen gleichzeitig wahrgenommen und fokussiert. Da der Lichtstrahl des Absehens exakt mit der Visierlinie ins Auge einfällt, kann es zudem keine  gegenseitige Verschiebung von Sehlinie und optischer Achse und damit keine Parallaxe geben.
Vorteile: Reflexvisiere erleichtern das Schießen mit zwei geöffneten Augen, wodurch das räumliche Sehen erhalten bleibt. Beim flüchtigen Schuss (und auch in allen anderen jagdlichen Schusssituationen) ist das von entscheidendem Vorteil. Der Zielpunkt wird ins Unendliche abgebildet, somit kann das Auge Ziel und Zielpunkt gleichermaßen fokussieren. Reflexvisiere lassen sich wie eine ⇾offene Visierung schießen, Probleme wie gestrichen, voll, halbvoll oder geklemmt Korn entstehen dabei aber nicht.
Nachteile: Bis auf Modelle, bei denen Linsen vorgeklappt werden können, gibt es keine Vergrößerung. Bei Schüssen auf weitere Distanz und beim Ansprechen durch die Optik können daher Probleme entstehen. Zudem fehlt je nach Visierbild die Referenz des Querfadens wie im klassischen ⇾Absehen des ⇾Zielfernrohrs, bei mangelnder Übung können bei flüchtigen Zielen Hoch- oder Tiefschüsse die Folge sein. Bei einigen Modellen ist das Einschießen diffiziler als beim Zielfernrohr.

Restlichtverstärker (Bildverstärker): Bei diesen ⇾Nachtsichtoptiken wird das einfallende Licht auf eine elektronische Röhre geleitet, in der Fotokathoden das wenige einfallende Licht verstärken. Somit wird nur das für das menschliche Auge sichtbare Lichtspektrum, also das Restlicht, verstärkt und sichtbar gemacht.


Schatten (im Zielfernrohr): siehe ⇾Parallaxe

Seitenverstellung: dient der seitlichen Justierung des ⇾Absehens im ⇾Zielfernrohr. Funktioniert in den meisten Fällen wie die ⇾Höhenverstellung per Klickrad (Ausnahme: siehe ⇾Support).

Spektiv: (veraltet: Perspektiv), monokulares ⇾Fernrohr mit starker Vergrößerung, meist 20 und mehr -fach. Das Spektiv dient zum einen der Beobachtung von Wild auf weite Distanzen (wodurch sich die im Alpenraum gebräuchliche Bezeichnung „Zubizarrer“, dt. „Heranzieher“ erklärt), zum anderen dem genauen Ansprechen auf nähere Entfernung. Aufgrund der hohen Vergrößerung sind sie nur bedingt dämmerungstauglich. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Typen: Auszugsspektive und Spektive mit starrem Körper (letztere gibt es mit geradem sowie mit Schrägeinblick). Moderne Spektive werden zumeist mit starrem Körper hergestellt, da dies technisch weniger aufwändig ist. Zudem sind sie wasser- und staubdicht. Allerdings lässt sich der im Vergleich zum Auszugsspeltiv kürzere Körper weniger einfach stabilisieren, es sei denn, man nützt ein Stativ. Auszugsspektive dagegen müssen beim Ausziehen Luft ansaugen. Auch wenn hochwertige Filter verbaut sind, besteht immer noch ein Restrisiko, dass Feuchtigkeit und Staub eindringen, wobei dies bei hochwertigen Geräten in der Praxis höchst selten geschieht. Dafür lässt sich das längere Auszugsspektiv im Gelände oder auf dem Hochstand besser auflegen bzw. auf Schießhilfe oder angestrichen gegen einen Baumstamm o. Ä. stabilisieren. Beide Typen sind – je nach Modell – mit teils variablen ⇾Wechselokularen erhältlich, wodurch ⇾Vergrößerungen bis zu 70fach möglich sind. Bei der Jagd im Gebirge sowie bei einer gezielten Selektivbejagung von geweih- und horntragendem Schalenwild ist das Spektiv ein unverzichtbarer Ausrüstungsgegenstand.

Support: veraltete Bezeichnung für Montagefuß beim ⇾Zielfernrohr. Relevant, weil bei älteren ZF ohne ⇾Seitenverstellung am Turm die seitliche Justierung über eine Verstellschraube am hinteren Support vorgenommen wird.


Thermal Crossover: Da ⇾Wärmebildgeräte auf Temperaturunterschiede zwischen Objekten ansprechen, kann die Bildleistung absinken, wenn die Temperaturdifferenz zu gering ist. Das Bild erscheint dann strukturlos. Geländeformen, insbesondere aber Hindernisse in der Flugbahn des Geschosses sind nicht mehr erkennbar. Die ⇾Entfernungssschätzung ist deutlich erschwert, ob ausreichend Kugelfang vorhanden ist, ist nicht hinreichend klar zu erkennen. Zu Thermal Crossover kommt es häufig bei hohen Temperaturen während des Tages. Ebenso kann der Effekt im Herbst und Winter auftreten, bei feuchter Witterung und niedrigen Temperaturen. Um diesem Problem bestmöglich zu begegnen, sollte eine Wärmebildkamera mit möglichst niedrigem NETD-Wert gewählt werden.

Transmission: beschreibt die Lichtdurchlässigkeit eines optischen Systems. Genauer gesagt definiert der Transmissionsgrad den Anteil eines einfallenden Strahlungsflusses (Licht), der ein transparentes Bauteil komplett durchdringt. Ein Transmissionsgrad von 100%, sprich ein Durchgang ohne Lichtverlust, ist in keinem optischen System möglich. Der Lichtverlust lässt sich aber durch die Glasqualität sowie insbesondere durch die ⇾Vergütung  der verwendeten ⇾Linsen minimieren. Ein Fernglas mit unvergüteten Linsen lässt ca. 40% des einfallenden Lichtes durch. Somit wird also mehr als die Hälfte des Lichts verschluckt. Vollvergütete Gläser einfacherer Bauart erreichen Transmissionswerte von 60%, Topprodukte von >80%. Lichtstarke ⇾Zielfernrohre sollten einen  Transmissionsgrad von >90% vorweisen können. Wenn Wert auf ⇾Dämmerungsleistung gelegt wird, so sollte man sich nicht allein auf die Transmissionszahl verlassen, sondern darauf achten, dass die ⇾Austrittspupille des opt. Gerätes entsprechend groß ist. Höchstmögliche Dämmerungsleistung wird nur erreicht, wenn die Austrittspupille mindestens so groß wie die maximal geöffnete Augenpupille des Nutzers ist.


Vergrößerung: Fernoptiken dienen dem Zweck, einen entfernten Gegenstand genauer („wie aus der Nähe“) beobachten zu können. Das Maß der Vergrößerung gibt über die diesbezügliche Leistung eines optischen Geräts Auskunft. Dieses Maß liest man aus der ersten angeführten Kennzahl ab: 10x z.B. steht für zehnfache Vergrößerung. Damit sieht man einen in 100 Meter Entfernung stehenden Gegenstand so, als betrachte man ihn auf 10 Meter. Die Distanz geteilt durch die Vergrößerung ergibt also die virtuelle Beobachtungsdistanz. Bei ⇾Zielfernrohr, ⇾Spektiv und seltener auch beim ⇾Fernglas werden variable Vergrößerungen angeboten. In diesem Zusammenhang fällt auch öfter der Begriff des Zoomfaktors. Dies ist nur zum Teil richtig, da der Zoomfaktor das Verhältnis von längster und kürzester Brennweite beschreibt. Die Vergrößerungszahl ist allerdings der Quotient aus der Brennweite des ⇾Objektivs und der des ⇾Okulars. So hat z.B. ein Fotoobjektiv von 70-210mm Brennweite einen (210/70=3) 3-fach-Zoom, ein 2-10x Zielfernrohr aber keinen echten 5-fach-Zoom.
Die Vergrößerung gibt keinerlei Aufschluss über die Qualität einer Jagdoptik. Zudem ist eine zu hohe Vergrößerung oft nicht von Vorteil: in der Beobachtung und vor allem beim Ansprechen des Wildes kann sie eine Trophäenstärke vorgaukeln, die der Realität nicht entspricht, weshalb sich ein steter Wechsel zwischen Spektiv und Fernglas empfiehlt. Sehr hoch vergrößernde Zielfernrohre, die z.T. 20 oder 35fach vergrößern, verheißen ebenfalls keinen automatisch sicheren Punktschuss auf große Distanz, im Gegenteil. Beim Schuss mit so hohen Vergrößerungen wirkt sich jeder Atemzug und jeder Pulsschlag massiv im Zielbild aus, der Schütze kann den Eindruck bekommen, als wackelte er wie der sprichwörtliche Lämmerschwanz. Solche Hochleistungsoptiken gehören auf Waffen geübter und erfahrener Langdistanzschützen, die alle Aspekte des Kugelschusses bis hin zur exakt richtigen Atemtechnik und dem Abziehen zwischen zwei Pulsschlägen beherrschen. In den Händen weniger erfahrener Schützen führen sie zum genauen Gegenteil des Erwünschten.

Vergütung: Beschichtung einer optischen ⇾Linse zum Zwecke der Entspiegelung. Normales Glas wirft ca. 4% des einfallenden Lichts an der Luft-Glas-Grenze, sprich: der Oberfläche zurück. Dies gilt für alle Glasflächen in einem optischen System. Beispiel: ein ⇾Fernglas verfügt pro Seite über sieben Glaselemente: 2-linsiges Objektiv, zwei Prismen, 3-linsiges Okular. Das einfallende Licht hat demnach 14  solcher Grenzen zu überwinden. Würden diese aus unvergütetem Glas bestehen, käme im menschlichen Auge weniger als die Hälfte des einfallenden Lichtes an. Das wirkt sich auf Helligkeit und Kontrast des Bildes negativ aus. Durch Beschichtung (Vergütung) mit unterschiedlichen Materialien lässt sich dieser Effekt vermindern. Eine einfache Beschichtung reduziert den Reflexionsverlust auf ca. 1,5%, beim genannten Beispiel-Fernglas kämen also in etwa 80% des Lichts im Auge an. Durch mehrfache Beschichtung lässt sich die Lichtmenge noch weiter erhöhen.
Dachkantprismen, wie sie in den meisten modernen Ferngläsern verwendet werden, brauchen darüber hinaus eine spezielle Vergütung: im Gegensatz zum ⇾Porroprisma wird das Licht hier bei der Reflexion teilweise polarisiert. Dies führt zu weiterem Lichtverlust, der muss durch eine spezielle Beschichtung behoben werden.
Der Vorteil der Vergütung liegt also in einer höheren Lichtausbeute, einem schärferen und kontrastreicheren Bild. Der Nachteil: Vergütungen sind aufwändig. Die Stärke der Vergütungsschichten liegt im Nanometer-Bereich; wird auch nur eine dieser Schichten ungleichmäßig aufgedampft, sorgt das für Farbverläufe oder Interferenzerscheinungen. Zudem sind vergütete Flächen hochempfindlich für Verschmutzungen, die Herstellung muss daher im Reinraum erfolgen. Das sorgt für einen deutlich höheren Preis. Deswegen zahlt man bei einer guten Optik nicht so sehr Geld für den Namen des Herstellers, sondern für die Qualität des Produkts. 

Verkanten: Zielfehler, bei dem die Waffe nicht senkrecht, sondern seitlich geneigt gehalten wird. Gilt immer noch als einer der relevantesten Fehler beim Schießen. Durch die Neigung der Waffe um die Ziellinie ergeben sich zwei Effekte: Da das Absehen auf der gedachten Kreisbahn um die Ziellinie beim Verkanten tiefer steht als in der senkrechten Position, wird der vertikale Schusswinkel flacher. Da es zudem seitlich steht, ergibt sich ein seitlicher Abgangswinkel. Der Schuss wird also tief und – je nach Richtung des Verkantens – seitlich versetzt treffen. In den Zeiten, als mit langsamer Munition und über ⇾offene oder sehr schwach vergrößernde optische Visierung geschossen wurde, sorgte das Verkanten oft für kompletten Fehlschuss. Mit den heutigen Patronen und der heutigen Optik ist das Verkanten bei jagdlich normalen Distanzen deutlich weniger relevant. Insbesondere Höhenfehler wirken sich kaum oder wenig aus, die entstehenden Seitenfehler können aber bei einem Hirsch auf 200 m durchaus dafür sorgen, dass die Kugel das Leben nicht mehr trifft.

Visierlinie: Strecke zwischen dem Auge des Schützen und dem erwünschten Treffpunkt im Ziel. Da ein abgefeuertes Geschoss mit sich verringernder Fluggeschwindigkeit zunehmend der Erdanziehungskraft unterliegt und fällt, muss der Lauf im Verhältnis zur Visierlinie nach oben geneigt werden. Somit schneidet die Geschossflugbahn die Visierlinie zweimal. Einmal relativ nah an der Laufmündung, einmal deutlich weiter entfernt. Per definitionem gilt für Büchsen der zweite Schnittpunkt, wenn die Visierlinie bei 100 m 4 cm über der Flugbahn liegt, als ⇾GEE (Günstigste Einschussentfernung). Kurzwaffenschützen dagegen stellen ihre GEE auf den ersten Schnittpunkt ab, da der zweite für sie irrelevant ist.

Vorsatzgerät:Nachtsichtoptik, die ⇾objektivseitig, also vorn am ⇾Zielfernrohr angebracht wird. Meist handelt es sich um ein ⇾Wärmebildgerät, seltener um ⇾Bildwandler oder ⇾Bild- bzw. Restlichtverstärker.
Die Montage erfolgt mittels Klemm- oder Schraubadapter und muss stramm sitzen. Vorsatzgeräte sollten grundsätzlich eingeschossen werden, der Bildschirm ist entsprechend justierbar. Meist haben Vorsatzgeräte eine zusätzlich montierbare Augenmuschel, die sie zu einem ⇾Dual-Use-Gerät macht. Vor Kauf eines Vorsatzgerätes sollte überprüft werden, ob eine evt. vorhandene ⇾Offene Visierung oder eine sehr tiefe ⇾Montage und/oder ein großer ⇾Objektivdurchmesser des ⇾Zielfernrohrs die Verwendung behindern. Verfügt ein Vorsatzgerät über ein eigenes justierbares ⇾Absehen, wird es automatisch zum ⇾Nachtzielgerät.


Wärmebildgerät: nutzt nicht das vorhandene sichtbare oder nicht sichtbare Licht, sondern die Infrarotstrahlung (Wärmestrahlung) von Objekten, deckt einen Wellenlängenbereich bis 8 µm ab. Aufgrund der verwendeten Technologie sind diese Geräte auch bei Tageslicht, beispielsweise beim Pirschen im Wald und in gewissen Grenzen auch bei Nebel oder Schneefall sinnvoll einsetzbar, da ja nicht die vom Objekt ausgesandte Licht-, sondern Wärmestrahlung aufgefangen und dargestellt wird. Wärmebildgeräte sind reloativ unempfindlich gegen Nebel, die Bilddarstellung kann aber durch ⇾Thermal Crossover deutlich eingeschränkt werden.
Das Bild kann in unterschiedlichen Farbpaletten dargestellt werden, die die Auffindbarkeit je nach Umgebung erleichtern. Da aber nur warme Körperteile entsprechend auffangbare Infrarotstrahlung abgeben, ist das Gehörn von Rehbock oder Hirsch meist nicht oder nicht gut sichtbar. Farbunterschiede werden als Schattierungen dargestellt. Um sauberes Ansprechen zB. der Striche bei einer Bache zu ermöglichen, sollten Wärmebildgeräte eine ausreichende Sensorauflösung haben, zB 640x512Pixel und mehr. Auch auf einen möglichst niedrigen NETD(Noise Equivalent Temperature Difference)-Wert ist zu achten,
möglichst <25mK. Da Wärmebildgeräte mit Akkus resp. Batterien betrieben werden, sollten die eine möglichst lange Nutzung des Gerätes ermöglichen.

Winddrift: seitlicher Versatz des Treffpunktes durch seitlichen Einfluss des Windes auf das Geschoss während des Flugs. Dieser Faktor wird regelmäßig auch von erfahrenen Jägern unterschätzt. Nicht umsonst wird die ⇾Seitenverstellung des Zielfernrohrs im englischen als „windage“ bezeichnet. Beispielrechnung; gehen wir von einer normalen 7x65R-Patrone mit einem 11g schweren Geschoss und im 90°-Winkel auftreffenden Wind aus. Dann ergibt sich grob folgende Tabelle der seitlichen Abweichung:

 150 m200 m250 m300 m
1,3 m/s3,3 cm5,8 cm9,5 cm14,1 cm
3,3 m/s4,5 cm8,3 cm13,3 cm19,8 cm
5,3 m/s7,6 cm14,2 cm22,8 cm33,9 cm
7,3 m/s10,4 cm18,9 cm30,5 cm45,2 cm

Die Windgeschwindigkeiten in dieser Tabelle entsprechen übrigens den normalen Beaufort-Stärken: bei 1,3 m/s steigt Rauch noch fast senkrecht auf, bei 3,3 m/s ist Wind auf der Haut spürbar, bei 5,3 m/s bewegen sich Blätter und Fahnen, bei 7,3 m/s bewegen sich kleine Zweige. Selbst bei solchem verhältnismäßig schwachen Wind können bereist Seitenabweichungen entstehen, die für eine schwere Nachsuche sorgen! Man kann Windgeschwindigkeiten mittels eines geeigneten Gerätes messen, aber dann weiß man lediglich, wie sich der Wind direkt beim Schützen bewegt. Was der Wind zwischen Mündung und Wild macht, das weiß man dann weiterhin nicht.  Es gilt also über Beobachtung zu lernen, welche Windgeschwindigkeit man im Gelände ablesen kann und zu lesen, in welchem Winkel der Wind auf das Geschoss trifft. Dazu gibt die folgende Grafik grobe Anhaltswerte:

Diagramm des Clock-Systems zur Anzeige von Windverhältnissen und deren Einfluss auf die Geschossbahn. Es zeigt, wie Wind aus verschiedenen Richtungen den Einschlag eines Geschosses beeinflusst.

Will man regelmäßig auf größere Distanzen bei Wind schießen, so kommt man um intensive Beschäftigung mit dem Thema auf geeigneten Schießplätzen nicht umhin.  Als Faustregel kann gelten: neigt sich die Flamme eines auf Maximum eingestellten Feuerzeugs beim Schützen mehr als zwei Zentimeter zur Seite, sollte ein Schuss auf mehr als 150m ohne genaue Kenntnis der eigenen Munition auf unterschiedliche Distanzen und bei unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten und -winkeln unterbleiben.

Winkelschuss: Schuss steil nach unten oder oben. Bei solchen Schüssen ändert sich die Treffpunktlage im Vergleich zum horizontalen Schuss. Bei horizontalem Schuss wirkt sich die Erdanziehungskraft auf der gesamten Flugstrecke des Geschosses von Mündung zu Ziel auf die Flugbahn aus. Bei Schüssen im Winkel wirkt sie sich dagegen nur auf der Strecke aus, die der Ankathete eines rechtwinkeligen Dreiecks entspricht, dessen Hypotenuse die gemessene Schussentfernung ist. Das ist die gravimetrische Distanz.

Steilschuss © Bertram Graf v. Quadt

Die tatsächliche Schussentfernung wird errechnet, indem man den Cosinus des Schusswinkels mit der gemessenen Distanz zum Ziel multipliziert. Nach dieser Formel funktionieren die meisten ⇾Ballistikrechner. Würde folglich in Kenntnis der ballistischen Kurve der verwendeten Munition der Haltepunkt entsprechend der gemessenen Schussentfernung gewählt, ergäbe sich automatisch ein Hochschuss.

Winkelschüsse sind nach ihrer Art in zwei Gruppen aufzuteilen:
1. Winkelschuss auf Nahdistanz (z.B. Kanzel): da Visierlinie  und Laufseele einer Büchse zum einen zueinander geneigt sind und sich beim Schuss durchs Zielfernrohr zudem die Visierlinie ca. 4-5cm über der Laufseele steht, schneidet die Geschossflugbahn die Visierlinie zweimal: einmal im Nahbereich vor der Mündung (je nach verwendeter Waffenkonfiguration und Munition ca. 30-50m), ein zweites Mal in größerer Distanz. Innerhalb des angesprochenen Nahbereichs ergibt sich somit ein Tiefschuss. Beim Winkelschuss im Nahbereich ist dieser durch Haltepunktkorrektur auszugleichen. Die verringerte Erdanziehungskraft wegen der schrägen Flugbahn des Geschosses kommt hier nicht in Betracht. Aber: Ein Wildkörper ist im Querschnitt walzenförmig. Hielte man „Blatt“ an, würde man nur den unteren Rippenbereich oder das Brustbein streifen. Daher gilt bei solchen Schüssen ein höherer Haltepunkt, grob zwischen Hochblatt und Ziemer.

Diagramm, das die Verbindung zwischen Visierlinie und Geschossbahn für zwei unterschiedliche Schusswinkel verdeutlicht, wobei das Zielblatt in der Mitte abgebildet ist.

2. Winkelschuss auf weite Distanz: Da solche Schüsse in der Regel im Gebirge vorkommen, sind neben der Anatomie des Wildkörpers zwei Faktoren zu berücksichtigen. Zum einen ist der Luftwiderstand durch die in Höhenlagen dünnere Luft geringer, das Geschoss wird also weniger abgebremst und fällt dadurch weniger stark. Dieser Faktor ist aber nicht sonderlich ausschlaggebend. Zudem kann er einfach eliminiert werden: sobald man sein jagdliches Reiseziel erreicht hat, sollte man dort unbedingt einen Probeschuss abgeben und die Waffe danach ggf. neu justieren. Wesentlicher ist, dass sich die Erdanziehungskraft – wie oben bereits erwähnt – beim Winkelschuss grundsätzlich schwächer auf das Geschoss auswirkt. Je länger das Geschoss fliegt, umso mehr muss dieser Faktor in Betracht gezogen werden. Ein wenig einfache Trigonometrie hilft hier weiter: Die tatsächliche Schussentfernung wird durch den Cosinus beschrieben. Dazu misst oder schätzt man den Schusswinkel 𝛼 (Winkel zwischen Laufseelenachse und Horizontale). Als Hilfsmittel: Ziege- und Mittelfinger zum „Victory“-Zeichen gespreizt ergeben recht genau 45°, legt man die abgewinkelten Mittelfinger beider Fäuste aneinander und danach die ausgestreckten Zeigefinger, bilden sie ein gleichseitiges Dreieck mit drei Winkeln zu je 60°. Präziser lässt sich der Winkel mit einem entsprechend ausgestatteten ⇾Entfernungsmesser oder ⇾Fernglas ermitteln. Den Winkel speist man dann in den Taschenrechner des Handys ein, drückt auf „cos“ und multipliziert das Ergebnis mit der gemessenen Entfernung zum Ziel. Das Ergebnis ist die tatsächliche Schussdistanz. Diese allein ist gültig zur Ermittlung des Haltepunktes, wobei die anatomischen Gegebenheiten des Wildkörpers, wie beim Nahschuss erwähnt, unbedingt berücksichtig und in die Berechnung mit einbezogen werden müssen. Wer über ein Fernglas oder einen Entfernungsmesser mit eingebautem ⇾Ballistikrechner verfügt, ist bei genauer Messung diesen mathematischen Sorgen weitgehend enthoben – vorausgesetzt man hat die ballistische Kurve der verwendeten Munition auf dem Schießstand oder durch Geschwindigkeitsmessung und ein Ballistikprogramm genau ermittelt. Dies ist unerlässlich! (siehe Absehenschnellverstellung).


In der Jagdausbildung kommen häufig Merksätze vor wie „Bergauf und bergunter, halt immer drunter“ oder „Bergunter halt drunter, bergauf halt drauf“. Diese Eselsbrücken kommen aus der Zeit, als man mit langsamen Patronen oft noch über offene Visierung schoss. Sie haben heute keine Gültigkeit mehr. Es gibt eine Vielzahl hervorragender Arbeiten zum Thema „Winkelschuss auf Distanz in Höhenlagen“, die allesamt eines belegen: kein Jäger, der diese Bezeichnung mit Anstand führen will, kommt umhin, das Verhalten seiner Laborierung in solchen Situationen selbst zu ermitteln und zu überprüfen. Dass er sich in solchen Schüssen zu üben hat, sollte keiner weiteren Erwähnung bedürfen. Um aber die Hemmschwelle ein wenig zu verringern: bei Schüssen bergab <150m und bis zu einem Winkel von 45° ist im Wesentlichen nur die Anatomie des Wildkörpers zu berücksichtigen.


Zielfehler: entstehen durch falsche Anwendung der Visiereinrichtung. Bei den heute vorrangig über das ⇾Zielfernrohr abgegeben Schüssen sind hauptsächlich⇾Verkanten und ⇾Parallaxe, also Schatten im ⇾Okular in Betracht zu ziehen. Beim Schuss über die ⇾offene Visierung (Kimme und Korn, Diopter) gilt: der Schuss folgt stets der Positionierung des Korns im Zielmedium: sitzt das Korn tief, geht der Schuss tief, sitzt er hoch, rechts oder links, geht der Schuss hoch, rechts der links. 

Zielfernrohr: Hauptzielmedium beim Büchsenschuss. Erste Versuche mit fernoptischen Zielhilfen fanden bereits im 18. Jahrhundert statt. Erste ernst zu nehmende Zielfernrohre wurden um 1890 von der Berliner Firma Hecke für Sauer und Sohn entwickelt. Frühe Modelle waren nicht unbedingt zylindrisch wie heute, sondern verbauten auch ⇾Porroprismen. Heutige Zielfernrohre unterscheiden sich hauptsächlich nach den Faktoren ⇾Vergrößerung, ⇾Objektivdurchmesser, ⇾Absehen sowie der Positionierung des Absehens in der ersten oder zweiten ⇾Bildebene.


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Ein Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr von Quadt,

    für Ihr „Optik-ABC“, das ich kürzlich bereits per E-Mail freundlicherweise von Ihnen erhielt, darf ich mich auf diesem Wege herzlich bei Ihnen bedanken und zugleich meinen Respekt vor dieser wahren Fleißarbeit aussprechen. Eine zumindest für mich gänzlich neue Seite, die Sie mit diesem Optik-ABC zeigen.

    Ich bin zwar mit meinen demnächst 33 Jagdscheinen kein Jungäger mehr, gleichwohl lernt man (und auch Frau) bekanntlich niemals aus und deshalb habe ich mir Ihr Kompendium, als solches kann man es wohl guten Gewissens bezeichnen, sogleich für ein künftiges Nachschlagen und zur ggf. notwendigen Kenntnisauffrischung abgespeichert und archiviert.

    In diesem Sinne verbleibe ich mit besten Grüßen und einem Waidmannsheil

    Ulrich Schauff

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